
Bis zum 9. August passiert hier nichts.
Allen, die sich seit meiner letzen Auszeit durch Lesen, Linken, persönlichen Kontakt und durch hilf- und geistreiche Kommentare an diesem Weblog beteiligt haben, danke ich herzlich. Wohlgesinnte Menschen sind das Beste, was einem passieren kann – online wie offline.
Natürlich reisen wieder ein paar Bücher mit. Manche ungelesen, andere angelesen, wieder andere für das Zweitlesen.
Autor: Tanja
A rose is a rose is a rose is a rose
Während meiner Lehrzeit war Gertrude Stein insofern Mode, als dass Verlage ihre Werke publizierten. An reissenden Absatz kann ich mich nicht erinnern, aber ich hatte oft Bücher von ihr in der Hand.
Weil die Avantgardistin am 27. Juli vor sechzig Jahren in Paris gestorben ist und ich mich an ihrem Todestag in einer Internet-freien Zone aufhalten werde, zitiere ich sie lieber vorher noch.
Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose ist eine Rose
Auf diese Zeile wurde sie immer wieder angesprochen. Thornton Wilder hat sie geantwortet:
Also hören Sie! Ich bin doch kein Narr! Ich weiss, dass man im täglichen Leben nicht herumgeht und sagt: „ is a …. is a…. is a….“ Ja, ich bin kein Narr; aber ich denke, dass in dieser Zeile die Rose zum ersten Mal seit hundert Jahren in der englischen Dichtung rot ist.
(Seit ich das gelesen habe, muss ich mit der Frage leben, wen sie gemeint haben könnte, der im 19. Jahrhundert englisch und rot dichten konnte. Ich kenne Dichtung von roter Farbe nur in den Sonetten Shakespeares.)
Gertrude Stein ist nicht einfach zu lesen und deswegen werde ich mich hüten, sie jedem zur Lektüre zu empfehlen. Ich lese sie selber gerne, aber ich kann sie nicht im Gedächtnis behalten, sie ist eine Autorin für den Augenblick. Ihren vor siebzig Jahren publizierten Essay „Was sind Meisterwerke?“ lege ich allen nahe, die sich mit Identität und Kunst befassen. Der Essay ist nur kurz und sicher in den meisten Bibliotheken vorhanden.
Da ist noch etwas anderes zu sagen. Wenn man schreibt bevor man eine Leserschaft hat, ist alles Geschriebene ebenso wichtig wie alles andere und man schätzt alles und jedes was man geschrieben hat. Wenn man anfängt Leserschaft zu haben, schafft sie selbstverständlich etwas, das heisst sie schafft dich, und so ist nicht alles so wichtig, etwas ist wichtiger als das andere, was nicht wahr war wenn du du warst, das heisst wenn du nicht du warst wie dein kleiner Hund dich kennt.
Und da sind wir nun und da ist so viel zu sagen, aber immerhin sage ich nicht dass es keinen Zweifel gibt dass Meisterwerke auf jene Art Meisterwerke sind und es gibt sehr wenige.
– Gertrude Stein, 1936
Auf Seite 67 in:
Gertrude Stein
Was sind Meisterwerke
Essay
Arche 1985
Originaltitel:
What are Masterpieces and
Why are there so few of them?
Ich habe fertig (Schule)
Das Praktische am Bloggen ist (neben der zu Unrecht verschrienen Ich-Politur) die Suchfunktion. Nicht-Bloggenden zu beschreiben, warum man sich zu TV-, Lese- oder Bettzeiten mit einem Expresso an den PC setzt um online Gedanken auf die Reihe zu kriegen, ist unmögich. Wie praktisch ein Archiv ist, begreift hingegen jeder ohne grossen Aufwand. In nur wenigen Sekunden sehe ich, was ich in der letzten Schulwoche vor einem Jahr gemacht habe.
Und um diesen fragilen Datenstrang nicht zu gefährden, deponiere ich hier einiges an Unterrichtsmaterial, vor dem ich Nicht-Buchhandelsleute nur warnen kann.
Im 1. Lehrjahr habe ich ein Glossar zusammengestellt. Zuerst bekamen die Lernenden die Kästchen blank und die Lösung später. Und sie durften meine Lösung korrigieren. Wer eine Erklärung nicht gut oder eine bessere Formulierung fand, meldete sich bei mir und ich änderte das. Trotz Fachliteratur mit Register sind so kleine Wörterbücher nützlich, weil sie den Langsameren helfen, sich an den Fachjargon zu gewöhnen. Und die Korrekturmöglichkeit ist für die, die schon weiter sind, eine gute Herausforderung.
(Wer mehr zum Thema „Mängel“ sehen möchte, ist im Buchhändleralltag richtig.)
Im 2. Lehrjahr habe ich einen Postenlauf zum Verkauf gemacht. Die Grundlagen kamen von Jörg Winter: Der Kunde ist Gast.
1. Posten: Verkaufsgespräch | Beobachtungen dazu
2. Posten: Einführung | Beobachtungen dazu
3. Posten: Einführung II
4. Posten: Kundengespräch
5. Posten: Preisargumente und Alternativen
6. Posten: Reklamationen
7. Posten: Position beziehen
Es gab teilweise sehr gute Antworten. Dass man sich im Verkauf bei jeder Kritik und jeder Reklamation einfach erst einmal entschuldigen muss, haben 90% der Lernenden verstanden. Insgesamt eine sehr schöne, runde Sache, um es mit Herrn Rau zu sagen.
Paninialbum 2006

Nachdem es all‘ die Blauen ins Final geschafft haben, ist es höchste Zeit, das Grundlagewerk zum Ereignis zu rezensieren. Da nicht nur Schuster sondern auch unterrichtende Buchhändlerinnen bei ihren Leisten bleiben sollten, mache ich das möglichst adäquat.
Ich erzähle ja nichts Neues, wenn ich daran erinnere, dass Lernen immer am besten funkioniert, wenn man einige Grundsätze beherzigt:
Warum ich das schon wieder aufliste?
Es beelendet mich halt, dass ich über die ganze WM-Zeit keine einzige Lehrperson gefunden habe, die das Panini-Album im Unterricht einsetzte. Die WM wird zwar bisweilen schulisch verwertet, aber das Album wurde schnöde ignoriert. Ich mache mir schon ein wenig Sorgen um das vom Sein bestimmte Bewusstsein, wenn keinem auffällt, dass das Panini-Album im Moment Marktführer des Gedruckten ist. Die Panini-Abdeckung bei den Kids und Teens erreichen Bravo und Mickey und alle Mangas zusammen nicht.
Ich selber habe kaum ein Unterrichtsfeld, in dem ich das Album einsetzen könnte (sehr bedauerlich). Ich hab’s mir trotzdem genauer angeschaut und mit Freude zunehmend didaktisches Bewusstsein bei Panini registriert.
Man nehme den unglücklich ausgeschiedenen Titelverteidiger. Bei der WM 1998 war da nichts als ein Auftritt mit Köpfen, Daten und Wappen.
Ganz anders im Panini-Album 2006! Didaktische Wertschöpfung durch Land, Adresse für Fans, Länderbezeichnungen bei den Clubs, ja, gar eine kleine Präsentation des Kontinents samt Nationen und Ergebnissen der Vorrunde. Und gegenüber dem Spielplan von 1998 ist der Spielplan von 2006 definitiv die bessere Kopiervorlage.
Schon die Durchschittsgrösse und das Durchschittsgewicht der einzelnen Mannschafen auszurechnen, macht doch etwas her. Und dann erst das Durchschnittsalter! Schliesslich sind nur Jahrgänge angegeben. Solche Unterlagen sind prädestiniert für das Errichten individueller Lernziele. Als zusätzliche Herausforderung hätte ich je die Ermittlung des Medianwertes empfohlen. Und wer herausfindet, in welchem Monat die meisten Geburtstag haben, darf das Spiel im Sportunterricht auswäheln und wer am schnellsten weiss, aus welchem Club die meisten Spieler an der WM sind, kriegt ein Schweissband von Nike Adidas. Die Multikultur des Fussballs ergibt zahlreiche Aufgabenstellungen in Geografie und anstatt bescheuerte Wetten wäre Kombinatorik am Platz: Wer findet (zum WM-Start) alle möglichen Gegner im Achtel-, Viertel- und Halbfinale? Die beste Ermittlungsmethode gewinnt!
Das wäre Bedeutsamkeit. Und nicht nur das Lamentieren darüber. [Manchmal überkommt auch Lehrerinnen ein Anflug von Selbsthass.]
Glanzmann

Kaspar Wolfensberger,
Glanzmann
Appenzeller Verlag 2004
Es gibt allerlei, was ich gar nicht gerne weiterempfehle. Einsame Aussichtspunkte, wunderbare Spazierwege, ausgestorbene Strände, leere Saunen.
Es passiert mir sogar ab und zu – und wider meine Berufung – bei einem Buch. Oder bei einem Protagonisten. Weil ich finde, das sei meiner. Die Hauptfigur in „Glanzmann“, Zangger, ist so ein Fall. Das Buch war bereits auf meiner persönlichen Bestenliste 2005; besprochen habe ich es jedoch nie.
„Glanzmann“ ist nach „Zanggers Seminar“ der zweite Roman von Wolfensberger. Weil ich ganz genau weiss, dass ein Autor nur weiter schreiben kann, wenn er sein Buch verkauft, ringe ich mich nun doch durch, den netten Leserinnen und Lesern hier diese Lektüre fürs Freibad ans warme Herz zu legen.
Zangger ist Psychologe, wohnt in Zürich, hat alles, was ein gestandener Mann braucht; beruflichen Erfolg, eine engagierte Frau, vier fast oder ganz erwachsene Kinder und einen besten Freund. Die Beschreibung von Beruf, Familie und Männerfreundschaft sowie der Stadt Zürich ist so unaufgeregt, dass ich mir ihre Prägnanz nicht erklären kann. Kein Lokalkolorit und doch ein klares Bild der Stadt. Keine perfekte Ehe aber auch keine aufgesetzten Streitereinen. Weder perfekte noch permanent pubertierende aber doch interessante Kinder, keine Staffage. Auch Seidenbast, der beste Freund, ist mehr als ein Nachfrager und Zuhörer. Im Gegensatz zu vielen Romanautoren, die einen Kriminalfall einweben, hat es Wolfensberger nicht nötig, die Nebenfiguren nur zudienen zu lassen. Gerade Seidenbast ist eine sehr eigenständige Person, schwul, Antiquar im Nebenberuf und wenn er etwas sagt, dann habe ich es nicht schon vorher gewusst.
Zur Handlung: Zanggers einstiger Förderer Glanzmann, ein geschwächter, alter, zuckerkranker Psychologe, ist besessen von einer bahnbrechenden Entdeckung, die er seinem ehemaligen Studenten mitteilen will. Doch als Zangger eintrifft, ist Glanzmann tot und seine Haushälterin auch. Was folgt, sind verschiedene Rückblenden in Glanzmanns und Zanggers Leben, die viele Verstrickungen bergen. Daneben läuft die nicht minder interessante Gegenwart: Zangger, der Seminare abhalten und gleichzeitig den Fall lösen will, bekommt die Probleme mit einem Studenten und auch die mit seiner Tochter kaum in den Griff und muss – wie übrigens schon im ersten Buch – feststellen, dass er einfach alt wird. Das analytische Vokabular hängt ihm zum Hals heraus und doch kommt er im Laufe der Geschichte nicht darum herum, sich an Details seiner Kindheit zu erinnern, die er zuvor sein Leben lang ausgeblendet hatte. Diese Stellen sind literarisch stark, frei von jeder Konstruktion und passen damit in die lange Tradition der schweizerischen Selbstbeobachtungen.
Für Leute, die gerne Schweizer Literatur entdecken, ist Wolfensberger ein Muss. Für Leute, die einfach nur Spannung auf hohem Niveau lieben, ist er ebenfalls sehr zu empfehlen. Auch denen, die einen guten Roman aus der urbanen Schweiz von heute suchen (ist selten genug). Und denen, die das Thema Missbrauch als lauernde Fallgrube menschlicher Existenz ertragen können. Und denen, die einen neuen, starken Protagonisten entdecken wollen.
Ich brauche keinen Brunetti, wenn ich Zangger habe. Und ich hoffe sehr, dass es nicht bei diesen zwei Romanen bleibt.
Gerade dann
Gerade als ich beschlossen hatte, dass nie mehr etwas funktionieren wird, dass ich trotz allen Bemühungen kläglich gescheitert bin im Networking, im Unterrichten, im Verhandeln, im Reformieren, im Budgetieren, im Koordinieren, in der Kindererziehung, im Umgang mit Männern jeder Altersklasse, gerade als ich mir definitiv das „TOO STUPID FOR BUSINESS, TOO UGLY FOR LOVE“-Schild umhängen wollte,
gerade dann bekam ich ein Kompliment von der indischen Nachbarin für meine „schöne Ausstrahlung“, einen besseren Arbeitsvertrag, ein Lob vom Schulleiter, ein Ferienangebot vom Mann, viele Küsse vom Kind und nette Schnappschüsse vom Webdesigner, mit dem ich neulich auf Fototour für das nächste unfinanzierte Projekt war.
Drum kaufte ich mir ein Pfund pralle Kirschen aus Italien und teilte sie im Bus mit einem älteren Thurgauer, der vom Fruchthof erzählte, auf dem er aufgewachsen war und sich nebenbei höflich erkundigte, ob ich nicht zufällig ledig sei, während wir im Gleichtakt Kirschkerne in unsere Hände spuckten.
Gernhardt – Adieu!

Quelle: Da: Das Meer! (Da waren’s nur noch fünf.)
Hienieden sind dir, Lützel Jeman, gewiss: minne, triuwe und êre.
Lehrabbruch
Zuerst war die Lernende schulisch schwach, wir fingen sie auf. Dann war sie krank, ein Therapeut fing sie auf. Dann wurde sie entlassen, und ich half erfolglos bei der Suche nach einer neuen Lehrstelle. Seit drei Wochen ist sie nicht mehr erschienen.
Auch wenn ich es nach Kräften zu vermeiden suche, ist das leider kein Einzelfall. Die Berufsfachschule ist ein Ort der Durchreise, die Auswahl der Lernenden treffen die Ausbildungsbetriebe, der Lehrvertrag wird zwischen ihnen und den Auszubildenden gemacht.
Lehrabbrüche sind schwierig zu erfassen und eine Tatsache, mit der eine Fachlehrerin leben muss. Aber ich möchte mich nicht abhärten lassen und rufe mir jedes Mal, wenn wieder ein Platz in der Schulbank leer bleibt, die letzte Strophe eines Heine-Gedichts in Erinnerung:
Es ist eine alte Geschichte,
Doch bleibt sie immer neu;
Und wem sie just passieret,
Dem bricht das Herz entzwei.
Ein Lehrabbruch, die Ursache für den Verlust der wichtigsten Perspektive in der Jugend, ist immer eine emotionale Belastung und wegen der Schuldfrage oft eine Zerreissprobe in Familie und Freundeskreis.
Neben dem richtigen Umgang mit den Emotionen ist es für mich wichtig, die Zahlen zu kennen. Deshalb bin ich sehr froh um die neue Studie Lehrvertragsauflösung, ihre Ursachen und Konsequenzen. Ich kann sie allen an Berufslehren Beteiligten als Pflichtlektüre ohne Langeweile sehr ans Herz legen.
Im Kanton Bern liegt die Anzahl der Lehrabbrüche bei 22%. Das ist zuviel, aber immerhin seit langer Zeit konstant. Der Buchhandel ist mit einer Abbruchquote von 12% aufgeführt, was mit meiner Erfahrung übereinstimmt. Uns kommt offenbar zu Gute, dass wir ein „hohes“ Niveau haben, weil in solchen Berufen weniger Lehren abgebrochen werden. Dazu profitieren wir offensichtlich davon, dass nur wenige ausländische Jugendliche diesen Beruf lernen wollen oder können, denn bei ihnen werden die Lehrverträge massiv häufiger gekündigt.
Der erste Grund ist mit unserer tollen Arbeit im Buchhandel leicht erklärt: gute Ausbildungsplätze, laufende Präventionsmassnahmen, fachlich und sozial kompetente Lehrpersonen, hohe Motivation, Konflikt hemmende Teamarbeit allüberall.
Und der zweite Grund bestätigt, was wir sowieso schon wissen: ausländische Jugendliche haben tendenziell schwierigeren Zugang zum Lesen und zu Büchern. Doch in jeder meiner sechs Klassen hat es Jugendliche mit eingewanderten Eltern… und sie haben ausnahmslos Schweizer Pässe.
Es erweist sich einmal mehr:
Die Massnahme gegen jeden Misstand, den Studien, die mich betreffen, je zu Tage gefördert haben, ist Integration.
Ein Stück Ehre

Grafik: Bundi für Müga.
Gastbeitrag: Marian Wirth.
______________
Am Samstag schrieb mein Freund Jonas aus Berlin, langjähriger treuer Anhänger des Bachmannpreises:
Juchu, endlich ein schöner und auch lustiger Text beim Wettlesen des diesjährigen Bachmannpreiswettbewerbs. Kommt von Kathrin Passig aus Berlin. Aber lustige Texte gewinnen ja bei Ingeborg selten.
Alles verloren also? Nein, wie DonDahlmann gestern berichten konnte:
Kathrin Passig, Autorin und Mitbegründerin der Riesenmaschine hat soeben den Bachmannpreis gewonnen. Und den Publikumspreis gab es noch oben drauf.
(…)
Mit diesem Text hätte sie sich in jeder Konkurrenz durchgesetzt. Und sowieso mit diesem Film, dem ersten Einspieler, der mal mit Humor gemacht wurde.
Bei der Riesenmaschine selbst wurde übrigens darauf hingewiesen, dass der Livestream von der Veranstaltung fast überall zu empfangen war – „nur leider nicht in China“.
Eine ausführliche Würdigung des diesjährigen Wettbewerbs bringt die NZZ (Wo wir uns befinden), ein Interview mit der Preisträgerin ist beim Deutschlandradio Kultur verfügbar (mp3, fast 9 Minuten, ca. 2 MB).
Der Entscheidung über die Preisträgerinnen fiel dieses Jahr übrigens auf den 80.Geburtstag von Ingeborg Bachmann, dieser dichtenden Märchenprinzessin mit scharfem Verstand und leidenden Seherin mit der brennenden Libido, deren Werk und Wirken von Spottlust ebenso geprägt war, wie von scharfer Erkenntnis und bitterer Sehnsucht.
Gerade in diesen Tagen kommt mir das einzige Gedicht von ihr in den Sinn, das ich während meiner Schulzeit analysieren* musste – nämlich immer dann, wenn ich es während einer Fußballübertragung nicht rechtzeitig nach dem Abpfiff schaffe, mir die Ohren zuzuhalten:
REKLAME
wohin aber gehen wir
ohne sorge sei ohne sorge
wenn es dunkel und wenn es kalt wird
sei ohne sorge
aber
mit musik
…
Das vollständige Gedicht gibt es bei Raffi. Und wohin tragen wir unsere Fragen? In die Traumwäscherei. Jawohl.
______________
*) Gedichte werden in der Schule ja leider nicht gelesen oder gefühlt oder genossen, sondern dekonstruiert, bis nichts mehr von ihnen übrig ist als Reimschema, Symbolik und Metrik.
Swissness III
Als Reaktion auf den alten patriotischen Kult, der in der Landi von 1939 seinen letzten Höhepunkt erlebte, entstand die scharfe Schweiz-Kritik der Intellektuellen in der Nachkriegszeit, der Kritische Patriotismus. Das vaterländische System hatte sich überlebt, wurde aber im Kalten Krieg innenpolitisch manipuliert und propagandistisch eingesetzt. Die Korrektur durch die Intellektuellen war sehr wichtig. Aber sie führte auch zu einer pauschalen Diaffamierung aller nationalen Symbole. Ohne Ersatz. Noch an der Expo 02 wollten die Ausstellungsmacher keine Schweizer Fahnen dulden. Nach Reklamationen bewilligten sie eine Installation mit lauter zerrissenen und verblichenen Exemplaren. Heute flattert und knallt die Schweizer Fahne wieder fröhlich im Wind. Meistens „Made in Taiwan„.
Peter von Matt in der gestrigen NZZ am Sonntag auf die Frage:
„In welcher geistigen Tradition steht der Fussball-Patriotismus?“
Links by nja.