Online-Persönlichkeiten

2. April 2017

Wenn mich etwas stört am Alter, dann der Schlaf, den ich zusätzlich brauche. Nicht nur das Lesen von Büchern, sondern auch das Schreiben längerer Beiträge hier kommen dadurch zu kurz. Geplant war eigentlich, das Bloggen zu Gunsten von Beziehungen im realen Leben zu reduzieren oder gar einzustellen. Inzwischen ist es aber so, dass ich die Zeit eher fürs Ruhen oder andere Social Media brauche als für Menschen. Darob gerät meine Persönlichkeitspyramide, die real wie auch virtuell ist, durcheinander. Zuunterst bin ich, soweit ich mich selber erkenne. Diese Basis brauche ich, damit ich extern auftreten kann. Danach kommt die Ebene für ebendiesen Aussenauftritt, wie er wohl den meisten vertraut ist: Familienbande und Freundeskreis, dann die Arbeitspersönlichkeit in Varianten (mit und ohne Aussenwirkung, mit und ohne Bühne, mit und ohne Schreibe in eigenem Namen). Die nächste Ebene, für welche die beiden vorherigen die Grundlage bilden, ist dann meine Blog-Persönlichkeit. Mit Zensur versehen, weil ich ja nicht anonym schreibe, aber doch persönlich, über Jahre gepflegt und daher wichtig für alle folgenden Schichten der Onlinewelt. Bei Twitter habe ich ein Profil, das politisch ziemlich ehrlich ist, Feminismus zulässt und dann und wann auch einen kleinen Hänger. Die letzte Ebene meiner Online-Persönlichkeiten ist Facebook, wo ich mich erst seit letztem Herbst aufhalte. Dies, weil ich einen Anlass organisierte, für den FB eine zentrale Rolle spielte. Wie immer, wenn ich mich auf eine neue Plattform begebe, zeichnete ich mir vorher auf, wer ich dort sein würde. Aber der Plan ging nicht auf - die Freundschaftsanfragen kamen so schnell und so gemischt, dass ich in weiten Teilen von meiner ursprünglichen Vorstellung von mir selber auf FB verabschieden musste. Mehr dazu ein anderes Mal, ich muss ins Bett.

Allen eine erquickende Woche!

Zum Weltfrauentag 2017

8. March 2017

Heute werden wir mehr lesen zum 8. März als andere Jahre. Der Women’s March on Washington hat letztendlich die Erkenntnis erneuert, dass Frauenrechte noch jung und nicht umsonst sind. Was sich in vielseitigen Presseartikeln wie auch im guten alten Leserbrief (”Emanzen!”) niederschlägt, wobei mich letzterer besonders nostalgisch stimmt. Es gibt sie noch, die ganz normalen Frauenhasser!

Zum Weltfrauentag hab ich drei Erzeugnisse weiblicher Kreativität ausgewählt: Ein Gedicht, eine Reportage und ein Lied.

Das Gedicht hat die fast vergessenen Debora Vogel (*1900 bei Lemberg, +1942 im Lemberger Ghetto) in den Dreissigerjahren geschrieben. Dank des sehr geschätzten “Sinn und Form” ist es erstmals auf dem Netz zugänglich. Es passt zur Skepsis, die diesem Frühlingsanfang 2017 innewohnt.

Akazien blühen

Es gibt enorm viel Raum in der Welt: unnötigen,
unbeholfenen Raum.
O, die flachen langsamen Räume, langweilig wie
ein großer mit Lauge gescheuerter Bretterfußboden,
wie die runde Landschaft eines Kalendersonntags
mit Menschen, die für etliche Stunden ihr Schicksal
irgendwo verlegt haben. Und die bummeln.

Quelle: Sinn und Form 69. Jahr, 1. Heft 2017, Leseprobe mit Hinweisen auf das Leben der Autorin.

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Erste Woche CAS: Erkenntnisse

5. February 2017

Meine Zeit fliegt davon, ich bin mir dieses Privilegs bewusst. Ich muss an keiner Grenze um Einlass betteln, bin in keinem Pulverfass von Stadt eingesperrt und warte auch auf keine Diagnose - alles Situationen, in denen die Zeit zäh und lang wird und die sich keiner wünscht.

Gestern habe ich die Unterlagen zu meiner Weiterbildung noch einmal gelesent, aufgeräumt, gescannt und abgelegt. Die Vorgaben für die Leistungsnachweise, die ich erbringen muss, habe ich ebenfalls studiert und festgestellt, dass sich im Blog hier nicht viel dazu machen lässt, denn als Produkt sind Worddokumente vorgesehen. Ich muss 150 Stunden recherchieren, reflektieren, schreiben und “Critcal Friends” konsultieren, abändern, wieder reflektieren. Das gibt drei Arbeiten, für welche ich insgesamt 5 ETCS-Punkte bekomme. (Klammer für Interessierte: Ich kenne dieses System kaum, denn in der Berufsbildungswelt existieren diese Punkte erst ab der Tertiärstufe, was uns vor das Problem stellt, die Gleichwertigkeit unserer Bildung nicht beweisen zu können. Eine Massnahme sind sog. ECVET, d.h. European Credits for Vocational Education, aber die setzen sich nicht ohne enormen politischen Willen von 29. Ländern durch - wie realistisch das ist, lässt sich leicht ausrechnen.)

Was waren meine wichtigsten Übungen und Erkenntnisse der ersten Woche in der Weiterbildung zur Schulleitung?

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A few notes

22. January 2017

#Womensmarch: Diese Pussyhats halte ich für eine hervorragende Marketingidee. Stricken, Farbe, Ohren der Katze - ein Tier, das sich nichts aufzwingen lässt. So wird “fadengrad” Bezug genommen auf das vollständige Zitat, welches ja mehr ist als ein Aufruf zu Übergriffen. Es ist die Feststellung, dass Männer mit Macht mit Frauen alles machen können. Und das stimmt ja schon viel zu lange in unserer Geschichte und immer noch viel zu häufig. Ich bin froh, ist diese Unterhaltung des amerikanischen Präsidenten publik geworden ist. Wie viel Widerstand und Kreativität sie entfesselt, ist beeindruckend. Auch bei Mädchen und jungen Frauen, die sich daran gewöhnen müssen, dass es noch viel Arbeit gibt.

#Inland: Heute hat die NZZ am Sonntag einen Artikel über die Vereinigung Islamische Jugend Schweiz gebracht, für den ich dankbar bin. Der Verein breitete mir schon länger Bauchschmerzen und hier werden die Verflechtungen mit radikal islamischen Playern aufgedeckt. Ich kenne diese Doppelzüngigkeit von der LTTE, deren friedliche Aktivitäten oft genug einer gewalttätigen Agenda folgten. Erkenntnisse aus meiner ehrenamtlichen Arbeit haben mich im Laufe der Jahre misstrauisch werden lassen. Meine grosse Bitte an die hier lesenden Lehrer und Heilpädagoginnen: Augen auf!

#Innenpolitik: Blochers Stabsübergabe an Köppel sei vollzogen, er trat dieses Wochenende wieder einmal begeistert mit seinem “Ziehsohn” auf, um den Schwung zu nutzen und noch mehr Leute zu bekehren. Ich frage mich ganz naiv, was an Stäben übergeben worden ist? Die Millionen wohl kaum. Eine Hängeregistratur? Ein Karteikasten? Vertrauenswürdiges Reinigungspersonal?

#1stWhiteHousePressConference: Erinnert sich jemand an Comical Ali? Ich weiss nicht, ob Sean Spicer es zur Kultfigur bringt. Wäre die Lage nicht so ernst, hätte er bestimmt das Zeug dazu.

#Weiterbildung: Der Start ist reibungslos verlaufen, während fünf lehrreicher Tage habe ich innovative, bienenfleissige, offene und lustige Schulleiter*innen vom Kindergarten bis zur Berufsfachschule kennen gelernt. Mit der Zeit lief ich allerdings an der Grenze der kommunikativen Belastbarkeit (ich war aber nicht die einzige, die neben dem Studium und den Gruppenaufträgen noch Mails und Rückrufe abarbeitete). Ich bin aber dran, einige Erkenntnisse zusammenzufassen und werde gern später berichten.

Schöne Woche allerseits! Stay involved.

Üben für Weihnachten 1980

Nur kurz2: Weiterbildung

15. January 2017

Morgen beginne ich eine Weiterbildung zur Schulleiterin. Sie wird bis im Frühling 2019 dauern und sollte mit einem CAS abgeschlossen werden. Ich habe mich für einen Studienort ausserhalb des Kantons Bern an der FHNW entschieden, weil ich bei meiner Arbeit vorwiegend mit anderen Kantonen zu tun habe. An den beiden Abteilungen, die ich an der Berufsfachschule leite, lernen Azubis aus der ganzen Deutschschweiz und da kann es mir nur nützen, in der Zentralschweiz zur Schule zu gehen. Wir beginnen morgen mit einer Kick-Off-Woche in Sachseln in Obwalden, was schonmal sehr gut ist, weil ich da garantiert noch nie gewesen bin.

Die Themen der ersten Woche sind

  • Einführung in den Lehrgang und E-Portfolio sowie Bildung von Lerngruppen und Planung
  • Führungsbegriff, Führungsmodelle, Reflexion über Einfluss von Führung
  • Integrales Management-Modell, Management by Objectives
  • Aufgaben einer Schulleitung
  • Werte in der eigenen Organisation
  • Rollenerwartungen
  • Kompetenzarbeit
  • Organisation, Kultur, Organisationsdiagnose
  • Führung in der Privatwirtschaft
  • Führungsstil
  • Intervision
  • Ich freue mich. Dieses Weblog habe ich ja 2004 für meine erste Weiterbildung ausserhalb des Buchhandles eröffnet und es seither immer wieder für die Dokumentation von Weiterbildung gebraucht. Das werde ich wohl auch weiterhin so handhaben. Ich weiss gerade noch nicht wie - ich nenne die neue Kategorie vorerst einfach “CAS Schulleitung”.

    Ich wünsche allen einen fröhlichen Start in die neue Woche!