Vom Suchen und Finden

18. January 2015

Es ist Semesterende und ich bin am Korrigieren. Nicht nur Tests von Lernenden, sondern auch Begleitbriefe zu Zeugnissen oder Missverständnisse zu Notenabgaben.

Trotzdem will ich einen Rückblick auf die letzte Zeit tun. Wir hatten an unserer Schule am 8. Januar eine Veranstaltung “Wie weiter mit dem Islam” zum Thema Radikalisierung von Jugendlichen. Der Zulauf war enorm und das Echo äusserst positiv. Der daraus entstandene Presseartikel hat über Facebook grosse Verbreitung gefunden. Und nicht nur das, es ist wirklich eine Argumentationsgrundlage für uns Lehrpersonen und auch für viele unserer Lernenden geworden. Ahmad Mansour half uns, in bester Weise mit den Stimmen umzugehen, die wir eigentlich nicht hören möchten, aber die es in den meisten unserer Klassen gibt:

Selber schuld; wer provoziert, muss mit Strafen rechnen; religiöse Gesetze sind mindestens so wichtig wie andere, wenn nicht wichtiger.

Wir müssen gemeinsam Lösungen für das Zusammenleben erschaffen und dürfen es auch sagen, wenn wir Angst haben, sie nicht zu finden. Die Schule ist dafür ein guter Ort.

Ich bin eigentlich froh, dass in Frankreich gerade dank den Problemen an Schulen endlich über die gesprochen wird, die sich eben nicht mit Charlie solidarisieren. Ich erachte es persönlich als völlig kontraproduktiv, wenn Länder sich hier etwas vormachen.

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JeSuisCharlie: Übersetzungsversuch.

11. January 2015

L’art n’est pas à mes yeux une réjouissance solitaire. Il est un moyen d’émouvoir le plus grand nombre d’hommes en leur offrant une image privilégiée des souffrances et des joies communes. Il oblige donc l’artiste à ne pas se séparer ; il le soumet à la vérité la plus humble et la plus universelle.

Albert Camus in seiner Nobelpreisrede im Dezember 1957

Übers. sinngemäss: “Die Kunst ist kein einsiedlerisches Vergnügen. Sie verlangt vom Künstler, sich nicht abzukapseln. Sie ist ein Mittel, die grösstmögliche Zahl Menschen anzurühren.”

Ich kann verstehen, dass manche genug von #jeSuisCharlie haben oder finden, die Franzosen hätten schon nach der Anschlagserie im März 2012 aufstehen sollen, ganz besonders gegen Antisemitismus.

Dass Frankreich gerade diese Tat so enorm erschüttert und mobilisiert, hat viele Gründe: Die französische Revolution, die bis heute in jeder Schule gepaukt wird, die Verfassung, deren Präambel und 1. Artikel jedes Kind auswendig lernen muss:

La France est une République indivisible, laïque, démocratique et sociale. Elle assure l’égalité devant la loi de tous les citoyens sans distinction d’origine, de race ou de religion. Elle respecte toutes les croyances. (…) [Hervorhebung nja.ch]

Ein Vergleich mit uns Deutschsprachigen ist nicht ganz einfach. Familien hier abonnieren sicher nicht Zeitschriften wie “Fluide Glacial”, aber die “Harald Schmidt Show” hat man auch in dessen schärften Zeiten gern zusammen mit Oma geguckt. Die Karikaturen der Franzosen sind unsere Satire und Polemik in Wort und Schrift. Hätten die Terroristen Dieter Hildebrandt (+), Harald Schmidt, Martin Sonneborn, Anke Engelke, per Zufall noch Fredmund Malik und Peter Schneider umgebracht, konzentrierten wir unsere Voten auch auf sie. Einfach, weil sie repräsentieren, was uns wichtig ist: Wortgewalt als Kunstform, Frechheit, Freiheit, Demontage jeglicher Autorität.

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Fraternité.

7. January 2015

Libération

Bildquelle.

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Bonne année !

28. December 2014

Die reichste Erkenntnis meines Bildungsurlaubes erlangte ich wie so oft durch Bücher. Wenn ich heute schaue, was ich in den letzten paar Monaten in Französisch gelesen habe, bin ich schon ein wenig stolz. An “La Vérité sur l’Affaire Harry Quebert” lese ich noch, wie gewöhnlich mit mehr Freude als Zeit und auf Kosten von Schlaf. Mögen sich Mängel auch im neuen Jahr so gelassen aufheben wie das die französische Literatur im alten vermochte.

Bonne année à tous

Il me reste à vous souhaiter une excellente année 2015 !

47. Seite

28. December 2014

Baumriesen der Schweiz.
6. erweiterte Auflage von 2014.
Gelesen am 26. Dezember in Bern-Bethlehem.

Dieses verwackelte Handyvideo erfasst die Begeisterung für ein Buch und für das Teilen seines Inhalts. Dank an meine Schwester.


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