Wochenbilanz X

14. December 2014

Vergangene Woche ist mein Bildungsurlaub zu Ende gegangen. Ich habe mit der Arbeit begonnen und viele meiner Kolleginnen und Kollegen begrüsst. Vielleicht lag es an den Weihnachtsbäumen, am lieblichen Dezemberlüftchen und den saisonbedingten Düften: Aber ich habe mich auf meinen Arbeitsplatz und die Menschen im Schulhaus gefreut und bin beschwingt und ohne weinendes Auge zurückgekehrt. Zudem habe ich mich sehr willkommen geheissen gefühlt. Sogar Lehrpersonen, die nicht in meinen Abteilungen arbeiten, hatten mir geschrieben, dass sie die “offene Tür” meines Büros vermissten. Selbstverständlich muss man sich die Rückkehr auch versüssen: Dem Sekretariat habe ich Spezialitäten aus der Romandie mitgebracht, den anderen Büros wie alle Jahre Weihnachtsgüezi von den Gantrischfrauen.

Bei diesen Begegnungen ist mir schlagartig bewusst geworden, wie gut es ist, dass ich die Ziele des Sprachaufenthaltes erreicht habe. Hundert Mal zuzugeben, die Prüfung nicht bestanden oder den Aufenthalt vorzeitig abgebrochen zu haben - mon dieu! Das wäre schlimm gewesen. Vor den Französischlehrpersonen traue ich mich zwar immer noch nicht zu sprechen, mais tant pis! Das bleibt vielleicht so. Doch fürchte ich grundsätzlich, die Sprache rasch zu vergessen und habe mir überlegt, meine Freiwilligenarbeit irgendwie mit Französisch zu verbinden, beispielsweise einen Besuchsdienst bei jemand Französischsprachigem zu übernehmen. Aber das ist schwierig bei meiner unregelmässigen Arbeitszeit. Zudem möchte ich im Wahljahr auch noch etwas Zeit in meine Favoritin und deren Ideen investieren. Ich mache deshalb vorerst einfach einen wöchentlichen “Cours de conversation” und parliere mit zwei anderen Damen so ungezwungen wie’s geht über “les thèmes actuels et pratiques de culture, d’économie et de sociétés de mon pays et de la France”. On verra.

Anitautoritäre Erziehung 2

9. December 2014

2005 habe ich mir offenbar vorgenommen, das Thema ad acta zu legen. Aber heute ist mir - sicher nicht zum ersten Mal seither - wieder eine haarsträubende Geschichte über ein vermeintlich antiautoritär erzogenes Kind aufgetischt worden. Zudem habe ich im Rahmen der “Kuschelpädagogik” auch schon öfter Aufzählungen von Neills Irrtümern gehört.

Da ich im Moment häufig mit meinem erwachsenen, aber zumindest finanziell noch abhängigen Kind Meinungsverschiedenheiten pflege, rufe ich mir meine Prinzipien täglich in Erinnerung. Ich bin gezwungen, sie ständig auf ihre Brauchbarkeit zu überprüfen und mir erzieherische Fehlleistungen einzugestehen. Aber mit dem Versagen von Neill kann ich trotzdem nicht dienen. Das, was ich vor neun Jahren aufschrieb und umzusetzen versuchte, funktioniert nach wir vor. Mehr noch: Es verschafft uns in den schwierigsten Situationen Respekt voreinander. Aber wir sind trotzdem laut, Heuchelei ist keine Option. Und ja: Ich weiss nicht, ob’s gut kommt.

Wenn ich wieder so bescheuerte Geschichten von Kindern höre, die andere terrorisieren dürfen, weil ihre antiautoritäre Erziehung das erlaube, fällt mir diese Antwort von Neill ein:

Was soll ich tun, wenn mein neunjähriger Sohn Nägel in die Möbel schlägt?

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Wochenbilanz IX: Schulbücher, Leseprognosen

9. December 2014

Daneben habe ich mich letzte Woche noch mit Schulbüchern, Schulbuchverlagen und Inhaltsvermittlern befasst. In diesem Zusammenhang habe ich u.a. Deutschlehrmittel der Romands auf Niveau B1 genauer studiert.

Als ich selber am Französischlernen war, habe ich mich gefragt, weshalb wir ständig Übungen in der “langue soutenue” und “langue argot” machen mussten. Jetzt, als ich das Deutschlehrmittel der westschweizer Azubis anschaute, wurde mir klar, dass es besonders schwierig ist, die Wörter, die man kennt, situationsgerecht einzusetzen. Sprachlehrpersonen kennen das Problem, ich etwas weniger. Mir bereitet das auf meinem bescheidenen Niveau keine Mühe, wer eine Wohnung mieten will, muss eher sprechen wie Dumbledore als wie Hagrid. Aber es ist eben gar nicht so einfach. Z.B. brauchen Französischsprachige in Deutsch gerne das Wort “sorry”, vielleicht gerade weil sie es in Französisch nicht verwenden. Aber was in einem Dialog unter Freunden völlig korrekt ist, kann andernorts und vor allem in schriftlicher Korrespondenz ein Fettnapf sein. Und das muss man (mühsam) lernen.

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Wochenbilanz IX: Deutsch in der Romandie

8. December 2014

Wie bereits bildhaft gestreift, war ich letzte Woche zu Besuch an der BFB, einer zweisprachige Berufsfachschule in Biel. Neben dem Austausch mit Lehrpersonen und der Besichtigung des Schulgebäudes, interessierte mich der Deutschunterricht. Wie die hier mitlesenden Schweizer wissen, ist das Erlernen der anderen Landessprache(n) ein bildungs- und staatspolitischer Konflikt. Im realen Leben kann man den Menschen dazu nicht allzuviel befehlen, weshalb Englisch für alle Landesteile die wichtigste Fremdsprache bleibt oder gar laufend wichtiger wird. Ausser natürlich in staatlichen oder politischen Gremien, wo ausser mit ausländischen Besuchern nie Englisch gesprochen wird. Das ginge auch gar nicht, dieser restringierte Code der föderalistischen Schweiz existiert nur in den Landessprachen.

Ich habe den Einblick in den Deutschunterricht in der Romandie mit Spannung erwartet, ich hatte keine Ahnung, wie das läuft. Den Französischunterricht für Deutschsprachige kenne ich hingegen bestens, in meinen Abteilungen sind vier Französischlehrerinnen beschäftigt, die ich regelmässig in den Klassen besuche. Ich habe im Deutschunterricht für die Romands folgende Erkenntnis gewonnen:

  • Ein Aufenthalt in der der deutschsprachigen Schweiz ist bei jungen Romands seltener als bei ein Aufenthalt von Deutschschweizern in der Romandie. Wir haben pro Klassen immer mindestens jemanden, der ein “Welschlandjahr” gemacht hat, an der BFB kommt das praktisch nicht vor. Das ist für den Unterricht relevant, weil die, die schon im anderen Landesteil gelebt und geredet haben, Wichtiges zum Unterricht beitragen und die Lehrperson automatisch unterstützen, weil sie der lebendige Beweis für die Relevanz des Faches sind.
  • Bilingue Schüler gab es in den Klassen - etwa gleich viele wie bei uns. Auch diese können wichtige Vermittler einer Sprache sein. Allerdings hatten sie Mühe mit dem “Schul-Deutsch”, denn sie lernen diese Sprache ja im Alltag, häufig auch nur einen Dialekt. Aber das gibt es bei uns umgekehrt auch. Bei uns gab’s auch schon Lernende mit dem schönsten Französisch, die dann “JE” als “Jö” geschrieben haben.
  • Eine Sprache auf einem bestimmten Niveau zu sprechen ist eines, ich hab’s ich in der Integrationsarbeit recht gut gelernt. Aber eine Sprache auf einem bestimmten Niveau zu schreiben, fand ich sehr schwierig. Lehrerinnen haben natürlich Musterlösungen vom Schulbuchverlag und müssen selten selber dichten. Ich habe trotzdem versucht, eine Aufgabe der Fachleute Kundendialog im 3. Lehrjahr zu lösen. Es Es handelte sich um eine Notenarbeit auf Niveau B1 mit einem Zeitbudget von 25 Minuten.
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    Buchhändlerin.

    6. December 2014

    Bücher verbinden Bücher verbinden
    Bücher verbinden Bücher verbinden
    Bücher verbinden

    Etwas vom Besten, was ich im Leben gelernt habe.
    Bücher verbinden, erhellen und helfen immer irgendwie weiter.