(M)ein Editorial

4. November 2020

Heute erscheint die neue Nummer unseres Branchenorgans: „Schweizer Buchhandel“. Ich habe mein Editorial den Buchmenschen gewidmet, die einfach tolle Arbeit leisten.

Einfach danke.
Ich werde den Teufel tun und Sie, liebe Leserinnen und Leser, zum Durchhalten auffordern. Krise als Chance, zusammen geht’s, die Kultur hat ihren festen Platz beim interessierten Publikum und ohnehin ist alles eine Frage der persönlichen Einstellung – solche Aussagen erspare ich Ihnen heute. Stattdessen will ich Ihnen einfach danken.

Sie haben online angepriesen und offline verkauft, Schutzkonzepte ausgearbeitet, verworfen und neu aufgesetzt, aus traurigen Absagen muntere Ersatzveranstaltungen gemacht. Buchhändlerinnen haben Auftritte von Autoren ermöglicht, und sei es als Abstandveranstaltung im eigenen Garten. Zwischenbuchhändler haben sich in kleinen Teams organisiert und jeden Prozess darauf ausgerichtet, trotz strenger Regeln ununterbrochen zu liefern. Verlegerinnen haben ihre Neuerscheinungen nicht nur unbeirrt publiziert, sondern sie zusätzlich in elektronischen Formaten präsentiert.

Ihr unvergleichlicher Einsatz verhilft dem Buch zu grosser Präsenz. Es entfaltet in der Coronazeit eine neue Wirkung. In seiner Schlichtheit eignet sich das Buch als Gesprächsinhalt bei jeglicher Begegnung, es gibt kaum einen besseren Indikator für den Zustand der Gesellschaft. Bücher schaffen ein vertieftes Verständnis der Welt – und dort, wo sie fehlen, fehlt es an Freiheit und Würde.

Wenn Sie nicht mehr wissen, wie Sie die nächste Anweisung umsetzen und woher Sie das nächste Lächeln nehmen sollen, denken Sie daran, wie Sie zu den Büchern gekommen und warum Sie bei ihnen geblieben sind.

Allgegenwärtiger Erklärungsbedarf

23. August 2020

Mein Leben hat sich in kürzester Zeit so sehr verändert, wie ich es mir unter guten Bedingungen nie hätte vorstellen können. Ich dachte stets, dass so grosse Verschiebungen nur unter traurigen Umständen passieren, einfach, weil sie halt müssen. Der allgegenwärtige Klärungsbedarf kommt mir entgegen. Seit ich denken kann, bereiten mir viele Verhaltensweisen, die vorausgesetzt werden, einiges an Kopfzerbrechen. Das macht mich zwar flexibel, dafür muss ich immer darauf achten, mir dasjenige, was nicht auf der Hand liegt, auch wirklich rechtzeitig bei den richtigen Leuten abzugucken. (Sicher habe ich schon erzählt, dass ich bei meinem ersten Restaurantbesuch, ungefähr sieben Jahre alt, das Geschirr in die Küche brachte?).

Das war eigentlich nur eine kleine Einführung zu der Frage, die mir in den letzten drei Wochen von vielen lieben Menschen immer wieder gestellt worden ist: «Hast du gut angefangen? Bist du eingelebt („i-gläbt“)? Gefällt es dir?». Ja! Ich habe immer zu tun und weiss nie, was noch kommt. Es scheint jedoch ziemlich sicher: Ich passe in diese Branche und sie passt zu mir. Die tägliche Ration Überforderung ist happig, aber die Erwartungen sind unter diesen interimistischen Umständen weniger fix. Vieles wird verhandelt und ich kam überraschend schnell zu Wort – ständig werden Karten neu gemischt. Die Spruchreife, die Perfektion – das ist weniger wichtig. Trotzdem wird so vieles Realität, was ich vor Corona weder Organisationen noch Verbänden und schon gar nicht mir selber zugetraut hätte.

Abschluss und Anschluss

18. Juli 2020

Ich arbeite zum ersten Mal im Leben an einem Mac und es ist peinlich zuzugeben, wie sehr mich die Umstellung nervt. Immerhin ist mir jetzo ein Blogbeitrag mit einem Link (wenn auch ohne Bild) gelungen.

Letzte Woche ist ein Interview zu meinem Abschied von der Berufsfachschule „Schweizer Buchhandel“ erschienen. Also in dem Medium, für das ich bald verantwortlich zeichne. Doch vorher, am 3. August 2020, beginne ich meine Arbeit als Geschäftsleiterin ad interim des Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verbandes, was ich beim Gespräch ebenso wenig ahnte, wie meine umsichtige Interviewerin Pascale Blatter.

Es muss vor ungefähr zehn Jahren beim Aufbau des neuen Berufes der Fachleute Kundendialog gewesen sein (Mann im Ausland, Sohn in Pubertät), als mir bewusst wurde, dass meine merkwürdige Laufbahn vielleicht kein Zufall und meine Einsetzbarkeit verbunden mit Einsatzbereitschaft wohl (m)ein Vorteil auf dem Arbeitsmarkt war. Also behielt ich den Fokus auf der Autodidaktik, las mir Wissen ohne jegliche Kriterien an, lernte vieles und verlernte vermutlich noch mehr. Ich erreichte damit bis heute kaum Validierbares aber dafür Überraschendes und schätze mich glücklich.

Zwischenzeit

12. Juli 2020

Eine der intensivsten Phasen meiner Laufbahn ist zu Ende, jetzt habe ich Ferien. Meiner nächsten Herausforderung als Geschäftsleiterin ad interim des Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verbandes sehe ich mit Freude und Respekt entgegen. Es ist eine Aufgabe, bei der ich Kompetenzen brauchen werde, die ich in meinen ersten zwanzig Berufsjahren erworben habe. Und ich werde vieles von dem einsetzen können, was ich in meiner ehrenamtliche Arbeit lerne. Es fühlt sich richtig an, ich bin seit ich denken kann für alles motiviert, was mit Büchern zusammenhängt. Wenn ich eine Weile ruhen, lesen und mich draussen bewegen kann, starte ich im August frisch und munter.

Danke fürs Mitlesen und all das Wohlwollen, das mir hier seit so vielen Jahren entgegengebracht wird.

Immer vorwärts

Zeichen des Abschieds

11. Juli 2020

Ehemalige Buchhandel

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