Farewell vor Ort

29. June 2020

Es war so wohltuend, die Abschlussklassen des Buchhandels vor Ort verabschieden zu können. Weil es in Strömen regenete haben wir uns auf verschiedene Schulräume verteilt und konnten so Videos aufnehmen und unser Schutzkonzept dennoch einhalten.


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Mein letzter Pegasus

23. June 2020

Heute ist der Pegasus Nr. 129 erschienen, es ist mein letzter. Nach 22 Jahren Berner Berufsfachschule für den Buchhandel ist es Zeit für mich, weiter zu ziehen und anderen Platz zu machen. Wohin auch immer ich gehe, ich werde sie mitnehmen die Schule, sie ist und bleibt ein Teil von mir.

Hier also meine Abschiedsnummer.

Farewell, Pegasus

Farewell auf Distanz

12. June 2020

Heute haben wir die Fachleute Kundendialog verabschiedet. Das war für mich ein ganz besonderer Jahrgang. Erst im Mai 2017 habe ich noch neue Klassen eröffnet und im Juni 2017 noch neue Lehrpersonen angestellt, um Anfang August starten zu können. So viele Anmeldungen gab es und ausser unserer noch keine andere Schule im Land, die diesen Beruf (in Deutsch) ausbildete. Die 64 junge Menschen, die wir nun ziehen lassen, haben ihre Prüfung von zu Hause aus abgelegt und werden bis Anfang Juli auf die Resultate warten müssen. Denn die Prüfungen, die nicht in dieser Art und Weise gemacht werden konnten, werden aus den vor Corona erarbeiteten Leistungen umgerechnet, das braucht auch noch etwas Zeit. Neben komplexen neuen Richtlinien 2020 wurden vom Bundestrat, den Kantonen und den Organisationen der Arbeitswelt wichtige Generalklauseln festgehalten: Den Kandidatinnen und Kandidaten darf durch die Pandemie kein Nachteil entstehen. Alles, was nicht geregelt werden kann, wird zu Gunsten der Kandidatinnen und Kandidaten geregelt. Unsere Berufsbildung ist so integrativ, dass es völlig illusorisch wäre, bei einer derart grossen Änderung in so kurzer Zeit jeden erdenklichen Fall zu regeln. Aber heute ging es nicht um Noten. Heute wollten wir einfach zeigen, wie wichtig dieser Abschied ist. Abgesagte Diplomfeier hin, Distanzregeln her. Die Reaktion waren rührend.

Corona News VI

24. May 2020

In diesem Update geht es mir um die Veränderungen, die die Lockerungen im Schulumfeld mit sich bringen.

In meinem Kollegium ändern die schrittweisen Lockerungen wenig, das Distanzlernen geht an der Berufsfachschule weiter. Die Eltern unter den Lehrpersonen sind froh, sind ihre Kinder wieder in der Schule. Die Lernenden aus dem Buchhandel haben wieder mit der Arbeit in den Läden begonnen und erzählen ihren Fachlehrpersonen von neuen Herausforderungen wie Abstandregeln, welche sie durchsetzen möchten (was bei unwilliger Kundschaft schwierig ist). Die Azubis in den Callcentern sind weniger mit dem Unterricht und mehr mit ihrer praktischen Prüfung beschäftigt, in der sie ab morgen je vier Stunden telefonische Beratungen aus dem Home Office machen werden. Manche Lehrpersonen fürchten sich davor, bis zu den Sommerferien auf Distanz zu unterrichten, anderen kommt es gelegen. Die definitve Entscheidung, ob und wie weit die Berufsfachschulen wieder öffenen, wird nächste Woche erwartet.

In der Volksschule ging die Wiedereröffnung vor zwei Wochen mit relativ blanken Nerven und viel Unsicherheit vonstatten. Eine Freundin, die Lehrerin in der Unterstufe in einem sog. sozialen Brennpunkt ist, schrieb mir am Vorabend:

Denn es ist ein Ding der Unmöglichkeit, mit den Kindern nun noch alles durchzugehen, was ich ihnen in stundenlanger Arbeit auf dem jeweils geeigneten Kanal an Rückmeldungen gegeben habe. Sie die “Kommentärli” durchlesen zu lassen und ihnen beim Verständnis zu helfen, würde einfach zu viel Zeit fressen, wir müssen jetzt vorwärts gehen. Doch, eine halbe Lektion fällt mir ein, werde ich investieren, damit sie zu zweit den Ordner angucken und einander die liebsten, schönsten und die für sie weniger interessanten Blätter zeigen. Yes, es muss eine zeitlich begrenzte Würdigung dieser Arbeiten und Blätter und Kommentärli geben, unbedingt! Und drei Kleber pro Kriterium sollen verklebt werden… Das gibt eine sinnvolle Randhalblektion. Und bestimmt habe ich danach ein Bild davon, wie wer gearbeitet hat, wie wer unterstützt werden konnte, ob stimmt, was ich mir notiert habe, für unser IF-Heilpädagogin. Morgen müssen wir alle Schüler*innen wieder ins Boot holen und irgendwie mit den einen aufholen, mit den anderen weiterfahren…

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Corona News V

11. May 2020

“Ich sitze im Büro und höre Simon & Garfunkel – tja, Corona macht komische Dinge mit einem.” So beginnt mein neuer Newsletter ans Kollegium. Ich habe Musik im Ohr, die ich seit Jahrzehnten nicht mehr gehört und niemals vermisst habe. Gestern sagte ich mir aus dem Stegreif ein Goethe-Gedicht aus der Oberstufe auf, an welches ich nie zuvor gedacht hatte. Entweder ist das eine Quarantänedemenz oder eine Flucht aus der Welt voller Calls, die alle wichtig sind und meine Kapazitäten doch überfordern.

Mit der Fachhochschule nutze ich webex, mit der Partei und der Familie meistens ZOOM, ebenso in Arbeitsgruppen zu den Lehrabschlüssen, die 2020 ganz anders stattfinden. Die Online-Prüfungen selber machen wir jedoch ausschliesslich über Teams, darüber führe ich auch die Lehrpersonen und werde selbst so geführt. Gespräche mit Lernenden mache ich ebenda. Dabei muss ich extrem aufpassen, keine Channels zu verwechseln, die Vielfalt von Banalitäten bis Sensibilitäten ist einfach zu gross. Im Genossenschaftsrat, den ich präsidiere, sind wir mit allem unterwegs, Eigenkreationenen, Google hangout, ZOOM, Teams und Jitsi sowie alle Social Media, die mir je begegnet sind.

Als mein langjähriger Yogalehrer mir einen Link fürs morgendliche Hatha sandte, brauchte ich eine ganze Woche, um die paar englischen Worte zu finden, um mich zu bedanken und für die freundlichst dargebotenen Online-Stunden bis auf weiteres zu entschuldigen. Ja, es geht vielen so. Ausser denen, bei denen nichts mehr geht. Menschen ohne Arbeit und umso mehr Ansprechpersonen mit wenig Zeit, mit chronischen Krankeiten, mit Kindern, die schon vor Corona Timeouts und Troubles hatten, solche, die schon vor dem Lockdown nicht klarkamen mit all den Formularen und jetzt mit den ins Internet verlegten Ämtern vollkommen am Anschlag sind - von ihnen höre ich auch vieles und habe ein schlechtes Gewissen, weil ich so kurz angebunden antworte.

Was mir hilft: Jeden Tag mehrmals das Hamsterrad anzuhalten, um die Prioritäten auf Sinn und Richtigkeit zu überprüfen. Jeden Tag mehrmals daran zu denken, dass alle, die mir begegnen, ihren eigenen Kampf kämpfen, von dem ich nicht die geringste Ahnung habe.


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