Autoren sagen JA

26. Januar 2012

zur Buchpreisbindung. Jedenfalls alle, die mir bisher live oder in den Medien in der Sache begegnet sind. Einer hat seine ablehnende Haltung sogar öffentlich revidiert: John le Carrée in einer Festtagsrede (im viertletzten Abschnitt, aber lesenswert ist das Ganze).

Geduld

24. Januar 2012

Wandtafelnachricht zum Test

Gestern hatten die Lernenden des ersten Lehrjahres bei mir Test. Da Vorbildung und Geschwindigkeit innerhalb der Klassen sehr variieren, mache ich mit ihnen jeweils eine Abgabezeit aus. Bis zu diesem Zeitpunkt erwarte ich, dass es mucksmäuschenstill ist, damit die, die Zeit brauchen, diese ungestört nützen können. Wer fertig ist, kann ein (gedrucktes) Buch lesen, jedoch kein Schulbuch ausser Lektüre aus Literatur, Wissenschaft und Kultur (sog. LWK). Gestern sind einigen beim Warten fast die Augen zugefallen. Deshalb habe ich die Regel (wortlos) ergänzt. Die Klasse hat gelacht und jemand hat sich beim Hinausgehen sogar die Mühe gemacht, zu kommentieren (analog! Mit Kreide!).

Abends auf dem Nachhauseweg las ich in einer zerfledderten Gratiszeitung, dass sich Azubis von ihren Ausbilderinnen und Ausbildern vor allem Geduld wünschen. Ich weiss, solche Befragungen sind oberflächlich, aber ich glaube, hier stimmt’s. Wenn sie nicht geheuchelt ist, steht Geduld für Akzeptanz. Sie ist Ausdruck von Verständnis. Wer sie bekommt, kann sie besser aufbringen.

Gegenwärtige Lektüre

19. Januar 2012

Lektüre KW 3

weiter…

Wohnungsbesichtigung

18. Januar 2012

Heute war hier Wohnungsbesichtigung. Da ich ungern Menschen auswähle - ich würde nie in einer Hausverwaltung oder im Personalwesen arbeiten - bin ich froh, allen sagen zu können, das wir zur Wohnungsvergabe nichts zu sagen haben.

Wenn man günstigen Wohnraum verlässt, dann kommt niemand, um sich einfach ein wenig umzuschauen, nichts von “doch, doch, das wäre ganz nett”, “hmmm - wenn das anders gestrichen würde…” Da kommen Leute, die eine Wohnung dringend brauchen. Leute, für die die Besichtigung eine weitere Hoffnung und wahrscheinlich eine weitere Enttäuschung mit sich bringt. Gut möglich, dass auch Diebe und Landstreicher darunter sind, aber die Mehrheit ist ehrlich interessiert und in Platznot. Der gehetzte Äthiopier, der gleich wieder auf die Nachtarbeit rennt, die Frauen-WG, die überall sonst drei Mieten Kaution zahlen müsste, die kurdische Familie mit Schweizer Pässen, aber vielerorts chancenlos wegen des Namens, die albanische Familie, die sich schon im ganzen Stadtteil erfolglos beworben hat, die libanesische Familie mit Höhenangst, die ungarische Mutter mit Söhnen, die vielen Familien aus der Nachbarschaft, die ein zweites Badezimmer ersehnen.

Mir ist das alles gar nicht recht: Dass ich mir mehr leisten kann als diese Leute, dass nur eine Partei die Wohnung bekommen wird, dass wir ein so fremdenfeindliches Land geworden sind, dass wir nicht genügend Bewerbungsformulare für alle hatten.

Leergeschrieben

14. Januar 2012

Nach drei Wochen Schreiberei bin ich leer. Ich schrieb Semesterpläne, Einleitungen, Regelungen, Bitten, Entschuldigungen, Anträge, Beileidschreiben, Begründungen, Offertenanfragen, Mängel-, Inventar- und To-do-Listen, Produktebeschreibungen, Lektionenpläne, Veranstaltungsprogramme, Website-News, Zusammenfassungen, Problembeschreibungen und Budgetanträge. Keinen Essay, keine Buchbesprechung, keinen Liebesbrief, nicht den kleinsten persönlichen Notiz. Aber einen gereimten Zweizeiler, der immerhin das Kind zum Schmunzeln brachte.