Zeit anhalten

6. Juli 2010

Aus dem Fotoalbum 1984

Aus dem Fotoalbum 1984

Ich gehe offline, mache ein wenig Ferien, schreibe all’ die Karten, für die es an Weihnachten nicht gereicht hat, bereite den Unterricht für das neue Schuljahr vor… und kämme Mädels im Wind der Camargue. Oben - 1984 - meine Schwester, unten - 2009 - deren Tochter. Lesen werde ich auch:

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Abschluss 2010

4. Juli 2010

Schulschluss gibt eine Menge Arbeit, manchmal so viel, dass ich morgens nicht daran glaube, bis am Abend auch nur das Nötigste getan zu haben. Sommeranfang ist für die meisten Lehrpersonen eine Zeit des Abhakens und des Verabschiedens.

Unsere Abschlussfeiern haben immer einen ähnlichen Ablauf und finden am gleichen Ort statt. Dennoch sind sie pro Jahrgang unterschiedlich. Dieses Jahr hielten ein frischer Buchhändler der einen Klasse und zwei frische Buchhändlerinnen der anderen Klasse je eine sehr passende Rede. Es las Ruth Schweikert - unter anderem einen ganz neuen, berührenden Text über die Herkunft und Heimat eines Kindes, welches sie selber gewesen ist.

Fast an jeder Abschlussfeier bekomme ich Rückmeldungen, die mich verblüffen. Dieses Jahr war es die Anerkennung der Autorin: “Danke für Ihr Engagement für den Beruf, der unser Überleben sehr befördert.” Es kommt selten vor, dass Autorinnen diesen Zusammenhang herstellen, normalerweise ist der Buchhändler der erste, der in der digitalen Revolution beerdigt und der letzte, der verdankt wird.

Eine mir unbekannte Mutter (in Berufsfachschulen kennt man nicht die Eltern, sondern die Ausbilderinnen) erzählte, wie wichtig meine Hilfe und mein Zuspruch für den Erfolg der Tochter gewesen und wie dankbar die Eltern mir stets gewesen seien. Hätte mich jemand gefragt, wem ich in diesem Jahrgang besonders behilflich gewesen war, diese Tochter wäre mir zuletzt eingefallen.

Eine Azubi, mit der ich während der Lehre ein paar Mal ein ernstes Wort sprechen musste, weil sie wegen eines sportlichen Hobbys viel fehlte, erinnerte mich beim Abschied an etwas, was ich ihr im 1. Lehrjahr gesagt hatte: Für die vielen Absenzen müsse sie dann auch eine Medaille heimbringen. Nun war sie in ihrer Sportart wirklich Schweizer Meisterin geworden!

Es wird uns Lehrerinnen und Lehrer doch besser zugehört, als wir denken.

Orson und Orwell

1. Juli 2010

Sind die häufigste Verwechslung, die mir - nicht nur in der Buchhandlung - begegnet ist. Deswegen sieht man in meinem George-Orwell-Header im Hintergrund den jungen Orson Welles. Es entsprach meiner Laune, als ich vor fünf Jahren diesen Header entworfen habe (umgesetzt hat’s dann artbeat). (Damals dachte ich, der einzig Lebende unter diesen meinen “Vorbildern” mache es wohl auch nicht mehr lange, doch da hab’ ich mich zum Glück getäuscht. )

Soeben beende ich das weissnichtwievielte Notizbuch meines Lebens. Beim Zurückblättern finde ich auf einer der ersten Doppelseiten einen Satz in Versalien: “ANIMAL FARM” IST VON GEORGE ORWELL UND NICHT VON ORSON WELLS (EHRE WEM EHRE GEBÜHRET)

Ich erinnere mich wieder: Zum 175. Jubiläum der Universität Bern gab es Vorlesungen für Laien. Ich war mit dem Kind - auf dessen Wunsch - in einer von Walter Kälin. Auch er hat die beiden verwechselt und mehr als ein Orwell’sches Zitat Orson Welles zugeschrieben. Dass alle gleich sind oder zumindest sein müssten, könnte Orson Welles durchaus gesagt haben. Dass manche gleicher sind, das liess nur Orwell seine Schweine - als letztes, einzig verbleibendes Gebot - an die Scheunenwand schreiben.

Sonn Tag

27. Juni 2010

Heute

A propos Lehrermangel

27. Juni 2010

Die NZZ am Sonntag titelt heute “Hektische Aktionen gegen den Lehrermangel” und schreibt im Innern des Blattes über die Gegenoffensive der Kantone.

Der Kommentar “Ein bisschen Tempo bitte!” (NZZ am Sonntag, 27.6.2010, S. 17) ist eine ganz nette Abwechslung zum sonst üblichen Ton in der Presse i.S. Lehrer:

Man schluckt leer, wenn man die Zahl aus der Zürcher Bildungsdirektion hört. Treffen die Prognosen des Bundes zu, benötigt der Kanton in den nächsten Jahren 1000 zusätzliche Lehrer, den Ersatz der natürlichen Abgänge nicht berücksichtigt. (…) Gleiches gilt für andere Kantone. (…) Wieso hat das so lange gedauert, bis jemand reagiert? Die Prognosen sind schon lange bekannt, und die Personalsituation in den Schulen ist seit Jahren derart angespannt, dass jede weitere Verschärfung nicht mehr abgefedert werden kann. Geht es um kühne Reformen, reicht der Blick der Bildungsverantwortlichen jeweils weit in die Zukunft. (…) Höchste Zeit, dass sich der Planungseifer auf den wichtigsten Faktor der Schule - die Lehrer - überträgt.