Steigendes Regelbewusstsein?

17. August 2015

Ich habe richtig gut angefangen im neuen Schuljahr und die Kinder und Jugendlichen um mich herum auch.

Was mir auffällt ist, dass eigentlich jeder Jahrgang mehr nach Regeln und Vorgaben verlangt als der vorherige. Wenn es zu irgend etwas keine Regeln gibt, wird umgehend nachgefragt.

Wir haben dieses Jahr die ersten Lernenden mit Jahrgang 2000 an unserer Berufsfachschule. Das sind wohl auch die ersten, in deren Volksschule wirklich jeder Lehrperson klar gewesen ist, dass sie nichts voraussetzen kann. Andere Nationalität, anderer Hintergrund, völlig andere Vorbildung, Patchwork hier, Sportschwerpunkt da, Förderunterricht und Inklusion allüberall und Durchlässigkeit sowieso - eine so hohe Flexibilisierung erfordert einen klaren Rahmen. Es scheint mir folgerichtig, dass die neue Generation das auch in der Mittelstufe erwartet, selbst wenn es mir manchmal schwer fällt, den Rahmen schon vor deren Eintreffen zu bestimmen und danach unverrückbar zu verordnen. Ich bin froh, haben wir unsere Handvoll Grundsätze gut durchdacht - sie sind einfach zu kommunizieren und bilden ein brauchbares Dach über alle weiteren nötige Vorgaben, die eine Abteilungsleiterin zu verbreiten hat.

Allgemein mache ich mir aber keine Sorgen darüber, dass Regulierung über Gebühr ernst genommen wird, egal ob sie schon in Stein gemeisselt ist, wenn die Leute zum Schulanfang antraben oder ob sie erst im Laufe der Zeit entsteht. Sowohl bei den Jugendlichen wie in den Kollegien und der Schulleitung bleibt die Kurve zwischen den Achsen Jahre und Regelbewussten ziemlich gleich.

Zum Schuljahresbeginn

9. August 2015

Es gehört zum Schulanfang einer Abteilungsleiterin, dass er steil ist. Gründe sind eine Vielzahl von Unwägbarkeiten und Zielkonflikten. Aber die erste Woche - das heisst, der Start mit den Lehrpersonen - ist gut verlaufen. Am Freitag hatten wir einen recht angenehmen Konferenztag. Trotz der Hitze haben alle durchgehalten und waren glaub ich sogar froh, nicht zu viel interaktiv- oder -disziplinär machen zu müssen, sondern zuzuhören. Der oberste Chef, Regierungsrat und Erziehungsdirektor Bernhard Pulver, hielt eine meines Erachtens ausgezeichnete Rede, in der er viel Wert darauf legte, dass universitäre und berufliche Bildung sich nicht gegenseitig schlecht machen sollen. Es ist nämlich so, dass in allen Regionen (in der Schweiz sieht man das im kantonalen Vergleich sehr deutlich), in welchen die Berufsbildung stark und angesehen ist, Gymnasien und Universitäten ein höheres Niveau haben. (In der Schweiz studieren nur ein Viertel der Jugendlichen an der Uni, aber dafür alle an den einer der besten 200 Universitäten der Welt.)

Fachkräfte fehlen uns leider in beiden Bereichen - im praktischen wie im universitären. Weshalb ich mich mit meinen beiden vitalen Kollegien einmal mehr ins weite Feld der beruflichen Grundbildung aufmache, um Fachleute auszubilden, sie zu ermuntern, zu unterrichten, zu rügen, ihnen Fragen zu stellen und die ihrigen zu beantworten. Und sie vor allem zu lehren, dass unterschiedliche Antworten richtig sein können und auch solche, die wir noch gar nicht zu formulieren vermögen, weil sie in der Zukunft liegen.

Zum Schuljahresende

10. July 2015

Gestern, als ich spät aus dem Büro nach Hause kam, um meine Ferien anzutreten, war mir danach überhaupt nicht zumute. Ich konnte an nichts anderes denken als das unerledigte Ungeheuer, das ich kampflos zurückgelassen hatte. Ich war am Nachmittag noch an einer Beerdigung gewesen, der Bahnhof lag im Tal, die Kirche auf dem Hügel und als ich sie endlich erreicht hatte und auf der Kirchenbank niedersank, erschien es mir unmöglich, diese je wieder zu verlassen.

Heute Morgen jedoch empfand ich den gestrigen langen Tag als guten Abschluss dieses herausfordernden Arbeitsjahres, denn er beinhaltete eine grosse Palette dessen, was meine Berufstätigkeit ausmacht: Ich beriet (einen brandneuen Lehrbetrieb für Kundendialog), ich plante (den Empfang der Neuen sowie Stellvertretungen), ich testete und verglich (Beamer, neue Hardware), ich rapportierte (ebendas), ich stürzte mehrmals ab (also die Verbindung zwischen Laptop und Monitor), ich dankte (allen Spendern und Helfern der Abschlussfeiern), ich überprüfte (Lehrplanänderungen, Lehrmittel) ich verabschiedete (lebendige und gestorbene Menschen), ich fühlte mit, ich gab Einsicht und Erklärungen (einer Kandidatin in eine Prüfung), ich beurteilte und formulierte (Leistungen abtretender Lehrpersonen), ich koordinierte (Mentorate für neue Lehrpersonen), ich genehmigte (Dispensationen), ich beantwortete Fragen (zur Stellenlage Buchhandel, wie schon der Presse ) ich versuchte zu ermuntern und half mit, zu überlegen (in ebendieser Sache) und ich schrieb (allerlei).

Ich weiss nicht, warum es so schwierig ist, das Schöne, Gute, Geleistete zu sehen und so einfach, das Schwere, Ungeklärte, Unbefriedigende. Aber es ist wohl der Grund, weshalb positives Denken, Spiritualität und Workshops für die Lebensmitte so gut laufen. Meine Lebenshilfe besteht momentan aus Klicken durch die Galerien unserer berührenden Abschlussfeiern…

Buchhändlerinnen und Buchhändler in Bern
Fachleute Kundendialog in Zürich

… weil das einfach gute Laune macht.

Jetzt gehe ich offline und fahre heute Abend in die Ferien. Ich gedenke das Rhonetal in der staufreien Stunde zu entern und vor dem neuen Stau wieder zu verlassen. Mehr Entschlusskraft brauch ich heute wohl nicht mehr -

Allen da draussen schöne Sonnentage! Tankt Kraft für die neuen Aufgaben, die der Herbst bringen wird. Vor allem für das Zusammenleben in diesem Land. Offenheit und Menschenfreundlichkeit werden dringend nötige Güter werden. Die können wir nicht importieren, die müssen wir selber herstellen. Der Sommer hilft.

50. Seite

23. June 2015

Lesealbum 50. Seite

Lektüre: 3x Donald Duck
Gelesen am 28. Mai 2015 in Bern
Enkelin (links) und Enkel (rechts) der Leserin auf dem ersten Albumblatt.

49. Seite

22. May 2015

Donald neben Pixi

Lektüre: Ein Donald Duck und ein Pixi
Gelesen heute morgen vor der Schule
in Bern-Bethlehem