Aufgeräumte Vorbilder

17. February 2019

Mit Tomi Ungerer hat mein letztes grosses Vorbild den Jordan überschritten (alle siehe oben im Banner-Header). Das ist noch schwer vorstellbar für mich, aber tut seiner Funktion als Modell in meinem Leben bestimmt keinen Abbruch. Wer seine Stimme und französisch-deutsch gemischte Sprache hören möchte, dem sei ein Gespräch ans Herz gelegt, das Claudia Dammann 2013 in Zürich, im Diogenes Verlag, mit ihm geführt hat. (Denen in Zeitnot empfehle ich Minute 18:00 bis 22:00 über Liebesallergie oder gar bis Minute 25:00 zu den Gründen fürs Kinderbuchmachen).

Ich habe die Gelegenheit genutzt, hier ein wenig aufzuräumen und die Links zu prüfen. Die Kategorie “CAS Schulleitung” ist aufgehoben - diese Weiterbildung schliesse ich am 15. März ab, ohne darüber Wesentliches gebloggt zu haben. Ansonsten bleibt alles beim Alten auf nja.ch.

Zum Jahreswechsel

6. December 2018

Da der allgemeingültige und mein persönlicher Jahreswechsel recht nah beieinanderliegen, kann ich ja gleich über beides nachdenken. Ich schwanke bei der Gelegenheit immer zwischen kategorischem Imperativ und emmentalerischer Dankbarkeit, wieder ein Jahr älter, noch immer gesund und doch bereit für das jüngste Gericht zu sein. Zudem habe ich jedes Mal, wenn eine neue Dekade im Anzug ist, das Bedürfnis, einen grösseren Schritt zu tun. Mit dreissig wollte ich unbedingt und erstmals im Leben ein Zimmer für mich allein (brauch ich nicht mehr), mit vierzig trat ich von allen Ehrenämtern zurück (netter Versuch) und auf mein Fünfzigstes hin kehre ich wohl wieder zurück zu den Wurzeln. Ich war immer eine Feministin. Weniger vorne auf der Demo, sondern eher die in der Delegation, die in den Achtzigern mit Architekten darüber stritt, warum beim Bau von Unterführung (Beleuchtung?) oder Parkplatz (Übersichtlichkeit?) oder der öffentlichen Toilette (wieder nur Pissoirs?), die Bedürfnisse der halben Bevölkerung ignoriert werden? Das immerhin ist erreicht, aber die Lohngleichheit, die Diversity in Firmen, Nein heisst Nein, die Verteilung der unbezahlten Arbeit und des Geldes – noch lang nicht erledigt.

Und weil ich damit rechne, dass die Nachkommen ein, zwei Generationen mit Populismus als relevante Kraft konfrontiert sein werden, investiere ich weiter in die politische Gegenbewegung. In die Sozialdemokratie und den Liberalismus als Begriff der Freiheit. Und damit meine ich nicht den blöden Spruch vom Glückes Schmied. Sondern die Unterstützung eines Selbstverständnisses, gerade von jungen Menschen aus aller Welt, das stabil aber nicht starr ist – das sich von Herkunft unabhängig zu machen vermag. Und die Förderung eines Zusammenlebens, wo sich die Freiheiten des einen und der anderen vielleicht harmonisch begegnen, aber ihre Grenzen ohne Unterdrückung oder gar Krieg aneinanderstossen. Ich weiss, wie schwierig das ist, denn mein Alltag fand noch nie in einer Blase statt, an manchen Tagen lasse ich so viele Federn, dass mich abends friert.

Seit ich denken kann, treibt mich das freie Wort um, die freie Presse – im Wissen um den hohen Preis, den so viele dafür zahlten und noch zahlen werden. Es wäre vermessen, zu glauben, ich könnte verhindern, dass Menschen (die niemand gewählt hat) durch Firmen ihre Macht über andere ausbauen, indem sie die Information okkupieren. Was ich aber tun kann, ist darauf hinzuweisen. Und mitzuhelfen, die freie Information zu fördern. Vielleicht sind das dereinst nur noch Bücher und Zeitschriften, die in Wohnstuben verlegt und in Hinterzimmern gedruckt werden. Es wäre ja nicht das erste Mal.

Frohe, lesereiche Adventszeit allerseits!

Pegasus, zum 126. Male

10. October 2018

Heute gibt es gute Gründe, zynisch zu werden und noch bessere, es sein zu lassen. Zum Beispiel unsere Begegnungen mit anderen. Das sind so viel mehr, als unsere Vorfahren es sich je hätten vorstellen können. Die Perspektive wechseln, Meinungen aufschreiben, anlesen und kommentieren, die eigene Position verändern, sich selbst und einander finden – das inspiriert, deprimiert, wirkt mal verdunkelnd, mal erhellend. Der Dialog ist zur Voraussetzung geworden für das Leben im globalen Dorf, die Dialogfähigkeit zur weltumspannenden Schlüsselkompetenz.

In Buchhandlungen treffen Menschen und ihre Geschichten aufeinander - wo gibt es mehr Begegnungen? Wir haben die hehre Aufgabe, Orte und Zeit für Empathie zu schaffen. Das Verständnis zu fördern, indem wir Bücher verfügbar machen und ein Umfeld erschliessen, das Menschen anregt, sich zu bilden. Nicht allein im intellektuellen Sinne, sondern zu dem, was sie sein möchten in der Gesellschaft.

In dieser Nummer geht es um die individuellen und vereinten Kräfte von Buchhändlerinnen und Buchhändlern, die ihren Beruf gewählt haben, weil sie die Zukunft gestalten wollen. Überzeugt, am Ende der Gewissheit einen neuen Anfang zu finden.

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54. Seite

12. August 2018

54. Seite

Lektüre: Elsie Chapman, Dualed
(in Französisch, vor Ort erworben)
Gelesen am 18. Juli 2018
In Le Grau-du-Roi, Südfrankreich

Das Buchinteresse des Patenkindes ist über die Jahre erhalten geblieben. Das macht glücklich.

Moments in time

12. July 2018

Das Schuljahr ist aus und damit enden auch viele Beziehungen, die für den Alltag prägend waren. Die hier Mitlesenden kennen es, doch viele Menschen meinen, die Schule sei träge und unbeweglich. Das Gegenteil ist wahr, Schule ist immer im Fluss und von grosser Resilienz. Jedes Jahr, wenn ich vor den Reden an den Diplomfeiern meine Agenda durchklicke und sehe, was ich mit diesen Klassen und Kollegien erlebt habe, erschüttert mich das fast schon. Es war so viel, es war teilweise so hart, manchmal so anrührend und schön.

Unsere Galerien der Feierlichkeiten sind online, “meine” Feiern mit Buchhändlerinnen und den Fachleuten Kundendialog hinterliessen allüberall gute Gefühle. Die Lesung mit der sagenhaften Frau Gomringer wird noch lange nachklingen. Sie hat mir vor vollem Saal ein Kompliment für meine Vernunft gemacht, wow. Man attestiert mir Herzblut, Sozialkompetenz, Effizienz, Kommunikationstalent - aber Vernunft? Das wird mir unvergesslich bleiben.

Es ist so schön, die Menschen und Organisationen, die zu den Feiern beitragen, mit Impressionen zu versorgen! Ich schätze mich glücklich, dass wir uns einen Fotografen leisten, das ist bei vielen Schulen nicht möglich. Ich kämpfe intern dafür, dass wir hier Prioritäten setzen, auch in Zeiten von Handybildern - die ja einfach dazugehören. Nichts erreicht die Wirkung von guter Fotografie bei Verbänden, Spendern, Ehemaligen, Kolleginnen und Kollegen, der Floristin, den Catering-Powerfrauen, den Rednerinnen und Rednern, den Abschlussklassen und bei mir selber.

Nun mache ich Ferien, setze mich mit meinen ungelesenen Büchern und merkwürdigen (Alp)träumen auseinander. Leider steht es nicht in meiner Macht zu verhindern, dass Menschen im Mittelmeer ertrinken. Aber es gelingt mir einigen, die den Weg überstanden haben oder ihren Kindern dabei zu helfen, einen Beruf zu lernen. Das erschient mir viel zu wenig, doch wenn sie sich bei mir verabschieden, sagen sie, es sei viel - und in diesem Moment glaube ich ihnen und bin glücklich.

Dank an die Abteilungsleiterin