11. May 2013
Jedes Mal, wenn ich Südfrankreich entgegenfahre, verstehe ich Van Gogh. Zuerst sind die Vallées noch grün und gelb und dann legt sich langsam ein rotbrauner Schimmer über die satten Farben. Sobald das Land flacher wird, wirft der hohe Himmel ein neues Licht. Die Häuser in dem hellen Stein, einer Farbe zwischen altrosa und beige, bringen jede Blüte dezent zum Leuchten. Die seit Jahrhunderten in bestimmter Anordnung angelegten Felder und Hecken erinnern an die pedantische Arbeit für die vielgängigen Genüsse französischer Küche, die schon hier beginnt.
Näher dem Meer wird die Landschaft erst recht zu einer Bühne, genau wie Van Goghs Skizzen und Gemälde aus der Gegend: Kornfelder, Bäume, Boote, Brücken, manchmal sogar Menschen, immer nur vereinzelt: Die Objekte spielen im Schein eines gewaltigen Hintergrundes.
Dieses Licht hat so gar nichts Zufälliges, seine Interpretation wird zwanghaft. Blendend, gleissend, in Helligkeit und Schatten brutal, auf der Kirschblüte sanft. Ich verstehe, weshalb einer gerade hier fand, was er malen wollte. Oder wie.
Kategorie Leben daneben | 3 Kommentare »
9. May 2013
Unsere Schule ist von Auffahrt bis Sonntag geschlossen. Dank jahrelangen Verhandlungen darüber, lernt der Mensch, dass Ungerechtigkeiten selbst in unserem abgesicherten Leben dazugehören. Manche sind gezwungen, trotz gegenteiliger Verodnung zu arbeiten und müssen diese Arbeit also nach Hause nehmen. Zum Beispiel die, die Prüfungen gegenlesen, aber es gibt auch anderes Administratives, was wegen Terminen nicht warten kann. Bei den Azubis gibt es zahlreiche verschiedene Regelungen: Einige dürfen mir nix dir nix „die Brücke machen“ weil die Schule das auch macht, andere müssen frei nehmen, wenn sie „brücken“ wollen, wieder andere müssen Freitag und Samstag arbeiten. Und die Abschlussklassen sind auf ihrer Kulturreise, was neben den Azubi-Fragen auch Fragen zur Arbeitszeit der Begleitpersonen aufwirft, weil diese Brücke für die Lehrpersonen neuerdings im Kanton Bern zu den bezahlten Feiertagen gehört. Ebenfalls bedenkenswert: Auffahrt ist der Ökumene nicht gleich heilig und andren Religionen egal, die möchten an ihren Feiertagen frei. Um diesem Vorwurf entgegenzuwirken haben die meisten Kantone freie Halbtage erfunden, die jeder Schüler ohne Angabe von Gründen einziehen kann. Dies wiederum gilt leider nicht an Berufsfachschulen, weil Lehrverträge Arbeitsrecht sind und Unterricht als Arbeitszeit gilt.
Wegen solchen Dingen, bleibe ich gern lange an der selber Arbeitsstelle. Ich lerne nie so viel wie bei Ereignissen, die im Grossen und Ganzen irrelevant, aber vorhersehbar sind und sich zuverlässig wiederholen. Gerade die Auffahrtsbrücke liefert ein Fallbeispiel für mindestens fünf Wissenschaften: Soziologie, Psychologie, Ökonomie, Politikwissenschaft und Betriebswirtschaft.
Ich habe das Privileg, meine Arbeit im Freien in Südfrankreich machen zu können, ich brauche nur ein Notebook und alle 24h kurz Internet, wie jetzt grad schnell in der Mücken-Ecke auf einer McDonald’s-Terrasse. Vor zehn Jahren noch hätte ich daheim im Regen bleiben müssen.
Kategorie Leben daneben, Lernprozesse | 2 Kommentare »
8. May 2013
Seither sind 18 Jahre vergangen und es stimmt:
weiter…
Kategorie Leben daneben | 0 Kommentare »
7. May 2013
Frau Passig bestätigt in ihrer Technologiekritik die Annahme der meisten Buchmenschen und -statistiken, dass E-Books Vielbuchleserinnen zu Noch-mehr-Leserinnen machen. Die besten Wiki-Einträge werden ja auch von denen geschrieben, die zumindest ein paar Jahre ihres Lebens im Lexikon nachschlugen. Die Frage - ja, ich wiederhole mich - bleibt: Wie machen Menschen E-Bücher und E-Nachschlagewerke, die noch nie sowas in der Hand hatten?
Wir nutzen in der Schule seit 2007 Moodle und lernen vermehrt blended. Nächstes Schuljahr kommen die iPad-Wagen. Aber der Content, der kommt immer noch von denen mit den echten Büchern. Und glauben Sie mir, ich sehne mich nach der Wende. Es gibt lustigere Dinge im Leben, als ständig Inhalte zu produzieren, die andere brauchen aber bitte in Häppchen und visualisiert.
(Vielleicht bringt die kaltmamsell ja frohe Kunde von Menschen < Jg. 1980 von der re:publica.)
Kategorie In der Lehre | 2 Kommentare »
5. May 2013

Meine Startwoche lässt nichts zu wünschen übrig: Munterer Unterricht, hunderte E-Mails, ein grosser Berg ungeöffneter Post, ein weiterer herber Verlust, kaum neue Anmeldungen, umso mehr Beratungsgespräche, ein gelungenes Abschiedsessen für meinen Chef bei uns daheim, die Zusage für einen Bildungsurlaub im Herbst 2014, die Volljährigkeitsfeier für das Kind.
Ich bin wieder da.
Kategorie Leben daneben | 0 Kommentare »