Hauptsache gemischt

12. June 2016

Ich habe mir fest vorgenommen, heute nur über Fussball nachzudenken und alle Unbill der weiten Welt und des individuellen Lebens auszublenden. Ich hatte vorletzte Nacht “Vous n’aurez pas ma haine” gelesen, gearbeitet und Ablenkung nötig. Gestern verpasste ich das vermutlich versöhnlichste EM-Spiel und so telefonierte ich heute mit meinem Neffen, der mich auf den neusten Stand brachte. Einmal mehr fiel mir dabei auf, wie selbstverständlich er die vielen albanischen Spielernamen mit den weichen Lauten ausspricht. Auf meine Frage, was er von Frau Xhakas Trikot halte,meinte er nur “gut” und ging über zum Kommentar der schweizer Goalieleistung, die letztendlich den Sieg ausgemacht habe. Merke: Wer sich von einem siebenjährigen schweiz-kosovarischen Jungen ein Spiel erzählen lassen darf, braucht es nicht zu schauen.

Letztes Wochenende hat meine Schwester zum dritten Mal ein Grümpelturnier in der Blocksiedlung organisiert. Obwohl das Wetter schlecht gewesen ist, liefen, kickten und sprangen an die hundert Kinder um die Wette.

Grümpelturnier Bethlehemacker

Und der Name passt einfach perfekt: “Grümpel” ist von allem etwas. Und so waren die Spielerinnen und Spieler, die Zuschauerinnen und Zuschauer, die Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter und natürlich die von allen gewonnenen Preise bunt gemischt.

Grümpelturnier Bethlehemacker

Und weil es mir am Ende doch nicht ganz gelingt, mich einfach nur am Erfolg zu freuen, noch dies: Auch wenn es komplizierter ist, als es aussieht, sollten wir die Bekämpfung der Kinderarbeit nicht vergessen, deren internationaler Tag heute gewesen ist. Für ein Fussballspiel ist vieles nötig, das aus Ländern und Geschäftsbereichen kommt, in denen Kinder zu Lasten ihrer Ausbildung und Gesundheit arbeiten. Seit dem Frühjahr gibt es ein App von ILO (erst in Englisch), das Unternehmen helfen kann, Kinderarbeit überhaupt zu sehen.

Privat, politisch, beruflich

5. June 2016

Privat: Ich schreibe im Moment hier nur noch ganz selten, weil ich wieder Tagebuch führe. So richtig echt auf Papier, fehlt nur noch ein Schloss dran. Danke allen, die nachgefragt haben, ich würde liebend gerne beides machen. Aber dann müsste ich das Bücherlesen aufgeben, die Familie und die Freunde oder gar den Beruf. Und das ist halt keine Option.

Politisch: Die Abstimmungsresultate (in 10 Sprachen bei Swissinfo) sind in meinem Sinne. Und ohnehin haben die Abstimmungen in der Schweiz inzwischen derart viel Medienpräsenz im Ausland, dass es selten etwas zu sagen gibt, was nicht schon gesagt wäre.

Beruflich: Ich freue mich darauf, morgen wieder eine Runde mündliche Prüfungen in “Betriebliche Prozesse im Buchhandel” abzunehmen und wünsche allen Prüflingen und Prüfenden eine erbauliche Woche. Und wer hier mitliest und sich der Buchhandelsausbildung verbunden fühlt, vielleicht gar selber Buchhändler ist oder Buchhändlerin war, ist herzlich an unsere Schlussfeier eingeladen!

Auffahrtsbrücke chronologisch

8. May 2016

Dieses Jahr hatte ich meine erste Auffahrtsbrücke. Die vorherigen 25 Jahre war ich dann entweder im Verkauf, an Büchertischen, als Prüfungsexpertin an Aufgabenstellungen oder als Begleiterin von Kulturreisen im Einsatz. Ich hätte auch heuer arbeiten müssen (Budget), aber daraus wurde nicht viel, weil:

Ich nahm Auffahrt beim Wort fuhr mit meinem neuen Rennvelo auf den Längenberg, wo ich jeweils wunderbare Aussicht, die Gräber meiner verstorbenen Familienmitglieder und himmlische Pâtisserie aus meiner Verwandtschaft wie auch ebendiese vorfinde. Da ich noch nicht besonders zackig bremsen und schalten kann, waren Steigung und Gefälle sowie zahlreiche männlichen Überholer die perfekte Übung für meine Balance.

Am Freitag dann besuchte ich die Solothurner Literaturtage; erstmals seit ungefähr 20 Jahren. Als ich zum letzten Mal da war, durfte ein Mann einer Frau noch ins Wort fallen mit Sätzen wie “das interessiert hier und heute niemanden”. Ich erinnere mich noch genau, wer es zu wem gesagt hat, aber da sie beide noch gesund und munter sind, lasse ich die Details. Ob es heute besser wäre, weiss ich nicht, denn das Konzept ist nicht mehr, dass das Publikum mitdiskutiert. Aber es war wunderbar, wieder einmal einfach als Buchhändlerin unterwegs zu sein (Bild4). Ein bisschen Gezwitscher für den Pegasus gab’s natürlich schon. Highlights: Batthyany und Gomringer.

Gestern habe ich nach erfolglosen Versuchen meine Balkonpflanzen und meine Bücher-und-DVD-Stapel zurechtzurücken etwas Orientierung in der Berner Altstadt gefunden. Da spielte ich Federball und entschied zusammen mit dem Mann, vorläufig kein Vintage-Sideboard zu kaufen, sondern erstmal Apfelkisten (für die Medienstapel). Am Abend bin ich erneut mit dem orangen Bähndli durch die grünen Wiesen nach Solothurn gereist, dieses Mal ins Laientheater Mausefalle, wo eine Freundin auftrat. Ich bin so froh, dass immer noch so viel Theater gespielt wird! Und jedes Mal sehr beeindruckt von dem riesigen Einsatz, den all diese Leute neben ihren ganz anderen Aufgaben als Informatiker, Anwältinnen, Plattenleger oder Lehrer oder Schülerinnen für so ein Laienstück leisten.

Heute widmete ich mich gern den ungelesenen Zeitungen, der ungewaschenen Wäsche und natürlich meiner Mutter, die ich in ihrem blühenden Garten besuchte.

Hinter den Kulissen: Prüfungsvorbereitung

25. April 2016

Jedem anerkannten Beruf in der Schweiz liegen eine Bildungsverordnung und ein Bildungsplan zu Grunde, auch dem Buchhandelsberuf. Dem Bildungsplan folgend machen die Berufsfachschulen ihre internen Lehrpläne. Am Ende ist die Prüfung nach Plan und Verordnung - alles ist schlüssig und gut erklärbar, auch neuen Azubis und deren Eltern oder enervierten Kandidaten und deren Berufsbildnern.

Aber bis Prüfungen stattfinden können, sind etliche Schritte nötig, an unserer Schule sind wir gut ein halbes Jahr administrativ und inhaltlich damit beschäftigt. Im Bereich “Handelsobjekte” (Leitziel 4 des Bildungsplanes) wird beispielsweise mündlich geprüft, was die Kandidatinnen und Kandidaten über die Herstellung von Büchern wissen. Die Fachverantwortliche Buchhandel stellt dafür rechtzeitig, nämlich jetzt, das Material zusammen. Das hat sie schon:

  • Bilderbücher
  • Einen grossen Fotobildband
  • Diverse Landkarten in verschiedener Druck- und Papierqualität und in diversen Massstäben
  • Einige neue, gebundene Bücher
  • Und das ist, wonach wir Fachlehrpersonen bei uns zu Hause noch suchen:

  • Flyer und Postkarten oder Buchzeichen mit nur einer oder zwei Farben
  • Klappenbroschur
  • Mindestens zwei fadengeheftete Bücher, möglichst eins davon als Broschur
  • Gefaltete Printprodukte, darunter eines gerillt
  • Ein gestanztes Buch oder eines mit gestanztem Umschlag
  • Ein Buch mit Leinen oder Ledereinband, ein Halbband
  • Und in der eigenen Bibliothek gibt es halt auch Bücher, die zwar viele Kriterien vereinen, die man aber partout nicht aus der Hand geben will:

    Auszug1 Auszug2

    Die Zeit vergeht - echt jetzt

    11. April 2016

    Das Kind ist am Wochenende weiter gezogen. Und ich frage mich, ob ich diesen meinen Lebensabschnitt einfach als beendet betrachten soll oder ihn sogar als vollendet bezeichnen darf? Schon mit der Geburt eines Kindes beginnt sein Loslassen, Eltern sollten daran gewöhnt sein. Aber so ist es nicht ganz.

    Wir haben allen Grund, uns mit dem Kind zu freuen, das meiste läuft rund und er braucht uns nicht mehr. Das von ihm angebrachte Plakat an der ehemaligen Zimmertür habe ich erst nach dem Auszug entdeckt und mit zwei lachenden Augen gelesen (s. letztes Bild). Die freundlich winkenden Eltern in der Story sind ok.

    Auszug1Auszug2

    Auszug3Auszug4

    Auszug5


    Deprecated: Function split() is deprecated in /home/blogk/nja/wp-includes/cache.php on line 215