Les livres achetés

Ich reise ja niemals allein. Die Buchhändlerin in mir ist immer dabei. (Ich habe eine grosse Sammlung von Buchschaufensterfotos und keine Ahnung mehr, wo ich sie aufgenommen habe. Und wann weiss ich nur bei den Digitalen.)
Deswegen besuche ich überall Geschäfte, die Bücher anbieten. Die Ausbeute der letzten Ferien mit je einem Stichwort zum Ort des Erwerbs:

  • Le Roi de la Biblothèque.
  • Ein Kinderbuch. Gekauft in einer klitzekleinen Papeterie in Grande Motte. Aus einem Verlag, von dem ich noch nie zuvor gehört hatte. Gründ. In Berndeutsch wäre das des Grundes Plural.

  • De l’indigène à l’immigré
  • Ein aufschlussreiches Taschenbuch über die Geschichte der Einwanderung nach Frankreich.

  • La rue, village ou décor?
  • Ein wunderbarer Mix an Kultur- Sozial- und Architekturgeschichte über die Strasse. Von Projektphotografie bis Philosophie – war wohl einmal eine Dissertation gewesen.
    Beides gekauft bei Sauramps, die grösste Buchhandlung in Montpellier. Aber wie schon an anderer Stelle beschrieben: Egal wie gross die Buchhandlung, der Buchhändlerin Büro ist immer winzig.
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    Beginners

    Die Warm-up-Woche ist vorbei und sie war Tag und Nacht und auch am Sonntag eine arbeitsreiche. Wie im Hinterstübchen längst erkannt, gibt’s grosse Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Väter-Lehrer sind ausgeschlafen, gut gelaunt und kommen oft zu Wort. Mütter-Lehrerinnen fühlen sich innert Kürze wie gammliger Belag in einem schwer verdaulichen Sandwich. Die Kind-Schüler haben noch keine Schule, aber ellenlange Listen mit Dingen (Bonnechance, Hotline, Wörterwürfel, Farb- wie Rollstifte, Turnhose, Vorhängeschloss, Passfotos), die für den ersten Schultag vorzubereiten wären.
    Diary 1
    Die Mütter-Lehrerinnen haben in der letzten Ferienwoche Einführungskurse, Präsentationen, Schlüsselformulareausfüllen, Schrankdebatten, Besichtigungstouren, Konferenzen, Differenzen und die Campingware noch immer ungeordnet (von der Wäsche nicht zu reden). Dazwischen gibt es ein Lunchpaket, kochen reicht weissgott nicht auch noch.
    Diary 2
    Und wer das Kind zu Kollegen schaufelt, bekommt spätestens am übernächsten Tag Kindes-Kollegen – völlig legitim! – zurückgeschaufelt. In diesem Fall muss ich doch an den Herd, sonst beissen die übermütigen Jungtiere am End‘ noch einander an. Ich will ja die mangelnde Fürsorge der Mütter-Raben nicht noch um Kannibalismus ergänzen.
    Diary 3
    Jetzt ist es getan. Alles bereit und ausgedruckt. Mein Semesterplan für die Neuen gefällt mir richtig gut, ich freue mich anzufangen. Nur der Drucker im Büro will nicht mehr. Ein eigens Büro ist zwar auch mit kaputtem Drucker schön und die Einrichtung sowieso kein öffentliches Thema. Nur soviel: Treue Leserinnen und Leser kennen meinen Tisch bereits. Ich habe ihn jetzt einmal umgedreht und mich dahinter platziert. Feng Shui für Vorgesetzte. Mit diesem Titel gibt es garantiert ein Buch.

    Tischgespräch [27]

    Vater:
    „Früh stücken“ schreibt man jetzt also getrennt?
    Mutter:
    Nein, sicher nicht.
    Kind:
    Nein, das sieht ja blöd aus.
    Vater:
    Aber den Mittag kann man jetzt essen.
    Mutter:
    – ? –
    Kind:
    – ? –
    Vater:
    Ich kann’s euch zeigen. (Holt sein Buch und deutet triumphierend auf den Satz: „…Er ging hinein, um Mittag zu essen.“)
    Mutter:
    Keinen Schimmer. Ich kann die NDR überhaupt nicht und bin um jede Variante froh, die ich mir und allen noch als korrekt anrechnen darf.
    Kind:
    Mmh, könnte schon sein – „um Früh zu stücken“.
    Vater:
    Ich stücke früh, du stückst früh…
    Kind:
    Und wie wäre dann die Vergangenheit?
    Vater:
    Stücken – stak – gestückt.
    Mutter:
    Das wird interessant im Konjunktiv.
    Vater:
    Stäke er doch früh!

    Die Neuen kommen

    Ich mag didaktische Herausforderungen. Morgen beginnt der Einführungskurs für 44 neue Lernende im Buchhandel. Wir haben wieder welche aus dem Wallis dabei und ich bin dann wirklich froh, wenn die Züge durch den neuen Tunnel brausen und die Armen eine Stunde Anreisezeit sparen.
    Mein Part im Einführungskurs ist die erste Stunde mit den Themen:

  • Einführung in die Schule
  • Einführung in die Führung des Arbeitsbuches
  • Berührugnspunkte gibt es wenig. Das Arbeitsbuch (heute eher ein Ordner) im Lehrbetrieb muss geführt werden, während in der Schule das Führen von Ordnern freiwillig ist und diese auch nicht korrigiert werden (ausser Semesterarbeiten natürlich). Ich habe schon Leute erlebt, die ihre ganze Lehrzeit überhaupt nichts dokumentiert haben, weder in der Buchhandlung noch in der Schule und die Prüfung trotzdem geschafft haben, aus Stegreif und Praxis halt. Dokumentation ist nicht gerade eine Stärke des Buchhandels.
    Aber so kann ich ja keine Greenhorn-Stunde anfangen.
    Ich habe mir gedacht, ich bewege die jungen Leute ein wenig. Man stelle sich vor: Die sind zwischen 16 und 25 Jahre alt und sehen auf dem Programm, dass irgend eine Abteilungsleiterin die Einführung zur Einführung zur Einführung macht. Gäääääähn.
    Nun habe ich einen Postenlauf kreiert, damit die Einführung in die Schule nicht theoretisch, sondern praktisch passiert. Das Organigramm kann ich so kaum erklären, aber das ist wirklich nicht wichtig. Die Aufgabe wird sein, verschiedene Dinge herauszufinden und das versteckte Ziel natürlich, dass sie sich rasch die wichtigsten Bezeichnungen und Orte merken können. Zum Beispiel so:

  • Wo genau hat es einen Kopierapparat, den Lernende selber benützen können? Tipp: Schulhaus 1.
  • Das Sekretariat Grundbildung ist zuständig für Absenzen, Zeugnisse, Anmeldungen und Abmeldungen. Wann ist das Sekretariat Grundbildung geöffnet?
  • Besuchen Sie ein Klassenzimmer. An der Innenseite der Türe ist eine Liste aufgehängt. Was steht da und weshalb?
  • Für das andere Thema habe ich mir Arbeitsordner von frisch gebackenen Buchhändlerinnen geliehen und einzelne Seiten daraus kopiert. Die habe ich ganz klein zusammengefaltet und in Umschläge gesteckt. Die Umschläge hatte ich zuvor aus Verlagsplakaten gebastelt, bei denen die Wiedererkennungschancen gut stehen (Narnia, Harry Potter). Ich habe auch noch ein paar Kopien aus meinem eigenen Arbeitsbuch darunter gemischt, damit sie sehen, wie grün ich damals gewesen bin.
    Die vier Umschläge werden dann unter den 44 verteilt (ich erkläre anschliessend weshalb), die Zettel werden individuell gezogen und aufgefaltet. Meine Fragen werden sein: Worum geht es auf dieser Seite des Arbeitsbuches? Was hat die Buchhändlerin sich hier aufgeschrieben? Und warum?
    (Bei 44 Leuten darf man nicht alles in einem Stapel herumreichen, das dauert ewig bis der Letzte sein Blatt hat. Man muss pro Reihe oder Gruppe austeilen oder – noch besser – die Arbeitsplätze schon im Voraus samt allem Material bereit machen. Dann setzen sich die Zuhörerinnen und Zühörer nämlich auch gerade richtig hin und kleben nicht in den hintersten Reihen. Wenn es viel Material ist, sind Mäppchen zu empfehlen. Dann lesen sie nicht alles, während man redet, weil sie die Blätter nicht aus dem Mäppchen rausnehmen.)
    Mal sehen. Vielleicht ist das, was ich für diese Stunde vorbereitet habe, zu schwierig oder zu leicht oder zu kurz oder zu lang. Hauptsache nicht langweilig.

    On two

    [Unterwegs.]
    Nesbo, Jo | Kakerlaken | ullstein tb
    Ich mag Nesbo einfach. Obwohl der Verlagswerbung inzwischen sein Image schier unerträglich zum coolen Typen aufbläst, schreibt er gute und selbst für erfahrene Leser nicht zu berechenbare Kriminalromane.
    Nesser, Hakan | Schatten und Regen | btb
    Den mag ich auch, weil der nicht nur Krimis kann, sondern auch allerlei anderes. Ich hatte ihn schon letzte Sommerferien mitgenommen. Hier geht es um die Aufklärung eines alten Verbrechens. Die Leserin erfährt aus den Biografien junger Leute davon, die zur Erzählzeit in der Midlifecrisis sind. Der einzige Kommissar im Buch ist pensioniert, im Rollstuhl und eine Randfigur. Der Rest ist Erinnerung. Düster halt.
    Orlev, Uri | Insel in der Vogelstrasse | Ravensburger (vom Kind)
    Das nahezu perfekte Jungedbuch. Zu lesen ab ca. 10 Jahren zum Thema Warschauer Ghetto. Uri Orlev nimmt auch in diese Geschichte viel Autobiografisches hinein, aber er lässt den Kindern schon mehr Fluchtmöglichkeiten vor Brutalität als in Lauf, Junge, lauf.
    Der Junge Alex hält sich in einer alten Ruine im Ghetto versteckt. Er hat eine Pistole, eine Taschenlampe, ein paar Bücher, wenige Vorräte und die Anweisungen seines verschwundenen Vaters. Die Mutter war schon früher deportiert worden. Alex ist manchmal gezwungen, die Ratschläge des Vaters neu zu überdenken und grundsätzliche Abweichungen zu riskieren. Wer hier liest, lernt nicht nur die Kindersicht auf das Warschauer Ghetto kennen, sondern auch, dass Leben bedeutet, mit dem in der Familie Erlernten in Konflikt zu stehen.
    Pamuk, Orhan | Das schwarze Buch | fischer tb
    Ich kann die Handlung nicht zusammenfassen. Nur vage erahne ich, warum das Buch so hiesst. Uff, diese 500 Seiten haben mir einiges abverlangt. Aber ich bereue nichts, es hat mir das unstete Leben Istanbuls nahe gebracht, die Beschreibungen sind fulminant. Die Lektüre hat mich mehr unterschwellig angestengt, was mir oft bei arabischer Literatur passiert. Ich kannte Pamuks Literatur sonst noch nicht, aber dieser Pamuk ist eindutig in der arabischen Tradition geschrieben. Der Mann nennt sie „zwischen drei Uhr Mittags und fünf nach“: Man beginnt zu lesen und es ist ein träger Nachmittag um drei Uhr. Tausend Seiten und Ausschweifungen später ist es erst fünf nach drei und immer noch drückend heiss und langsam. Würde mich mein Deutschlehrer fragen, was der Autor mir mit dem Buch sagen will, würde ich antworten, dass jeder zuerst herausfinden solle, wen er imitiere und erst danach, wer er sei. Dass die Stadt am Bosporus der beste Schauplatz ist für die Geschichte einer grossen Suche, versteht sich.
    Ress, Celia | Klassenspiel | Carlsen (vom Kind)
    Ein gutes Jugendbuch über Ausgrenzung. Gradlinig, sehr einfach – für Jungs wie Mädels geeignet, ausser für Jungs, die nicht gern lesen. Dafür kommen zu viele Mädchen vor.
    Schröder, Rainer M. | Bruderschaft vom heiligen Gral: Der Fall von Akkon | Arena (vom Kind)
    Einmal Schröder, immer Schröder. Seine Romane bleiben sich recht ähnlich. Historisch fundiert und vorwiegend im Mittelalter spielend, sind sie aber ein Gewinn für die Jungenliteratur und werden meines Erachtens zu selten empfohlen. Gerade in diesem Buch über vier junge Kreuzritter aus verschiedensten Teilen Europas, zeigt er wieder sehr schön die vielen verschiedenen Elemente, aus der europäische Geschichte gebaut ist.
    Wichtig für Buchhändlerinnen: Schröder hat nun auch mit dem Harry-Potter-System begonnen, was nicht alle Kinder mögen. „Die Bruderschaft vom Heiligen Gral“ ist nur für junge Leser zu empfehlen, die dem neuen Band entgegenfiebern wollen. Sonst würde ich lieber andere Titel von ihm empfehlen. Auch diese sind oft mehrbändig, aber sie können ohne relevante Einbussen einzeln gelesen werden.
    (Nachtrag: Das Kind ist sofort nach Rückkehr in den Chinderbuechladen gerannt und hat nach der Fortsetzung – „Das Amulett der Wüstenkrieger“ – gefragt. Die ist schon erschienen. Also wieder 600 Seiten Entwarnung.)

    On

    [Von unterwegs.]
    Traditionell fange ich da an, wo ich gelesen habe. Ich weiss noch nicht genau, wann ich zum nächsten Mal online sein werde und lasse die Kommentare ausgeschaltet. Gleichzeitig bedaure ich das sehr, weil ich ja den Austausch über Bücher so schätze.
    Corbin, Alain | Meereslust | Wagenbach (Zweitlesung)
    Natürlich wusste ich schon, dass das die beste Kulturgeschichte von Meeren und Menschen ist. Aber ich hatte vieles vergessen. Mein Lieblingskapitel diesmal war „Die Erfindung des Strandes“. Eine kleine Geschichte über die Erschliessung von neuem Raum und die neue Verwendung von Zeit. Weil ich selber am Strand war, konnte ich mir und den anderen bei der Entstehung der eigenen Strandkultur zuschauen. Allerdings braucht man für interessante Beobachtungen von Strandleben nicht zwingend eine Buchvorlage.
    Fawer, Adam | Null | rororo
    Nicht gelesen. Trash.
    Geiger, Arno | Es geht uns gut | dtv
    Nur fünfzig Seiten gelesen. Weil schon Pamuk mir einiges abverlangt hat (komme im nächsten Eintrag darauf), hatte ich keine Lesekraft mehr für Geigers Beschreibungen, obwohl ich nicht so weit gehen möchte zu sagen, sie seien es nicht wert. Oft schreibt er aber, was ich mir schon vorgestellt hatte: jemand Geschwächtes sitzt gebückt, jemand der anfährt, wackelt auf dem Rad. Da diese Familiengeschichte aber von zuverlässigen Quellen sehr gelobt wurde, kann ich mir gut vorstellen, dass ich die Lektüre später noch einmal angehe.
    Kordon, Klaus | Julians Bruder | Gulliver (vom Kind)
    Das war zweiter Weltkrieg. Und ich mochte nur ein Jugendbuch vom zweiten Weltkrieg lesen (folgt im nächsten Eintrag).
    Mankell, Henning | Die fünfte Frau | dtv (vom Kind)
    Hätte ich das Buch vorher gelesen, hätte ich dem Kind abgeraten. Zum Glück lesen Menschen aber nicht nur unter Aufsicht und bisweilen was sie wollen.
    Es handelt sich hier um einen Fliessband-Mankell, um einen „so-etwas-Brutales-habe-ich-nie-zuvor-gesehen“-Wallander. Nun, Mankell soll ruhig Geld verdienen für sein mozambikanisches Theater und Zeit für die Bücher über Afrika, die sich schlechter verkaufen. Also: Der Titel bezieht sich einerseits auf eine Frau, die als fünfte Frau ermordet wird, weil sie – im Gegensatz zu den anderen vier – zur falschen Zeit am falschen Ort war. Andererseits muss Wallander vier Frauen ausfindig machen, bis er als fünfte auf die Schlüsselfigur trifft. Der Plot geht in Ordnung, aber dieser Hang zur Superlative… der ermattet.
    Markaris, Petros | Balkan Blues | diogenes tb
    Ein schmales Bändchen von wunderbaren Novellen. Sie spielen in Griechenland, betreffen aber den ganzen Balkan und Afrika. Es geht vor allem um dem Import von Arbeitskraft. Die einzelnen Geschichten geben kaum Anlass zur Hoffnung. Sie werden mancher Leserin und manchem Leser zu moralisch sein, aber für mich waren sie genau richtig. Ich finde literarischen Realismus für die Beschreibung der produktiven Arbeit im 21. Jahrhundert sehr passend.
    Némirovsky, Irène | Suite française | btb
    Hier bin ich noch dran. Ein ausgezeichnetes Buch von einer Autorin mit beeindruckendem Lebenslauf. Eine Schriftstellerin, die nicht mehr fliehen mag. Während sie auf die Deportation wartet, dokumentiert sie alles, was sie in den Jahren zuvor beobachtet hat. Das Buch ist das Ergebnis dieser Dokumente, die von ihren Töchtern gerettet werden konnten. Ich bin in der Literatur noch keinem so differenzierten Bild Frankreichs unter deutscher Besatzung begegnet.

    Off

    Spiegel im Schaufenster der Handbuchbinderei, 2006
    Das Arbeitsjahr ist um. Die Lehrerin macht Ferien, dafür kommt die Leserin zum Zug. Ich merke gerade, wie sehr sich meine Leseliste im Vergleich zu anderen Jahren verändert hat.
    Heuer habe ich noch einige Verordnungen und Reglemente als Lektüre dabei. Das Unterrichtsfach „Neuerscheinungen“ gebe ich einer neuen Kollegin ab und nehme deswegen keine Leseexemplare mit. Dann habe ich dem Kind versprochen, endlich die Bücher zu lesen, die es mir schon lange ans Herz gelegt hat.
    Ich danke den Leserinnen und Lesern von nja. Es ist so schön zu sehen, dass Leute, die am Anfang ein reines Weiterbildungsblog mitgelesen haben, noch immer dabei sind. Und natürlich freuen mich die Neuen!
    Merci beaucoup! Bon juillet à tous!
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    Aus dem Reisenotizbuch [6]

    8. April 2007 9:20
    Auf dem Highway 101 feiert eine Frau allein Ostern. Mit der rechten Hand hält sie das Steuer und in der Linken hat sie einen Osterhasen. Während wir überholen schaue ich zu, wie sie ihm den Kopf abbeisst. Wunderbarer Ausblick auf San Luis Beach.
    **
    8. April 2007 9:45
    Abstecher nach Pismo Beach. Im Pismo Coast Village sind es eine Million Camper die Ostern machen: Sie dekorieren die Wohnwagen, stellen den Grill bereit und da jede Familie mehrere davon besitzt, ist es ein Jammer, dass ich seine Mehrzahl nicht kenne. Daneben werden italienische und mexikanische Flaggen gehisst, das Sternenbanner ist ohnehin omnipräsent.
    Auch ein „Rock’n Roll Dinner“ könnten wir in einem umgebauten Zugwagen der Pionierzeit einnehmen oder uns den rüstigen Rentner im „Duna Vista Senior Park“ anschliessen, die ebenfalls offen sind für alle. Aber wir fahren weiter, den unendlichen Erdbeerfeldern von Mr. Hayashi entlang. „Hayashi“ heisse Wäldchen, sagt der Mann.
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    8. April 2007 10:25
    Die California 1 South ist gesäumt von riesigen Ranchs, schimmernd braune Pferde grasen in Blumenwiesen, alles sieht aus wie die Titelseite eines Mädchenromans. „$ 1000 fine for littering“ steht am Strassenrand. Geschwindigkeit 65 Meilen, Sound: Drive On.
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    8. April 2007 10:35
    Wir durchqueren die Vanderburg Air Force Base. Eine Stadt mit schnurgeraden Rasenrändern, Strässchen, Gärten und Kindergärten, Dienst- und Befehlswegen. Sieht alles ganz genau so aus wie in Wohin die Krähen fliegen.
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    8. April 2007 11:30
    Vor Santa Barbara wird es wieder freakiger, bunte Campingplätze rechts, links Ranchs mit wohlklingenden spanischen Namen, vor uns das Corvette-Treffen, hinter uns der Oldtimer-Ausflug. Die Easy Riders lauschen am Strassenrand der Osterpredigt ihres Ober-Easy-Riders. Der Eukalyptus wird immer dichter. Der Mann erklärt, er sei einst aus Australien importiert worden und inzwischen eine Plage.
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    8. April 2007 11:40
    Santa Barbara, mit „ca. 89’000“ Einwohnern gemäss Ortstafel. Sound: I’m So Lonsome, I Could Cry. Johnny Cash und Nick Cave singen Hank Williams. Bewölkt und Nieselregen.
    Santa Barbara hat wenig von den bekannten Warenhaus- oder Restaurant-Ketten, wir passieren weder Starbucks noch Borders noch McDonald’s. Das seien alles Intellectos hier, meint der Mann, die hätten sich halt immer gegen MacDonald’s gewehrt, aber dann doch nicht genug in der unbhängigen Beiz konsumiert, weswegen sie nun halt zugepflastert seien mit mexikanischen Taco-Schüppen und Liquor-Shops für erfolglose Schriftsteller, die sich hier günstig zu Tode sauften.
    Das liebliche „Summerland“ hat eine prespitorianische (?) Kirche deren österliches Motto auf einer grossen Tafel im Rasen davor steht: „He goes before you“.
    Die Menschen hier fahren Prius und lächeln selig, wenn man ihnen den Vortritt abschneidet.

    Am Morgen danach

    Reich beschenkt! Am Morgen nach der Abschlussfeier

    Gestern war unsere Abschlussfeier. Hach! Soche Anlässe gehören eindeutig zu den „Ups“ in der Lehrerinnenlaufbahn. Ich wurde reich beschenkt. Von einer Klasse habe ich ein T-Shirt mit meinem Stundenplan-Kürzel drauf bekommen „META“. Auf der Rückseite steht:
    -crawler
    -llic
    -morphose
    -pher
    -phrase
    -physik
    -plasmus
    Das hat mich sehr gefreut, weil ich an diesem Kürzel hänge, aber (leider) mit meiner Beförderung ein neues kriege: „ME“.
    Von der anderen Klasse habe ich ein Krönchen bekommen. Ein Schüler hat’s mir aufgesetzt und – ebenfalls in Anspielung darauf, dass ich den Abteilungsleiter ablöse – gesagt: „Der König ist tot, es lebe die Königin.“ Das hat mich ehrlich gerührt.