Chönne vor Lache

[Achtung kleingeistig, kleinräumig.]
Wäre das Hauptthema meiner Supervision nicht Abgrenzung, hätte ich heute auf derlei (es waren mehrere) Artikel, die auch blogk meint, einen Leserbrief geschrieben. Der wäre ungefähr so gegangen:

Die liebste Medienpartei stellt erneut unseren Sinn für Humor auf die Probe! Die Partei, die jedes Vorurteil mit „wie man in den Wald ruft…“ begründet, die Partei, deren Vertreter Fuchs im Quartier gegen uns Tram-Befürworter hetzt, als wären wir für die kostenlose Kokainabgabe im Kindergarten, die Partei, die gedrillte Störer in unsere Veranstaltungen mit ausländischen Jugendlichen schickt, wo wir nur dank heilpädagogischer Vorkenntnis die Eskalation verhindern, diese Partei drückt nun also auf die Tränendrüse, weil’s zurückschallt aus dem Wald.

Ich bekämpfe Vandalismus, weil ich ihn verabscheue.
Die Bigotterie ebenso.

Zur Kur

Spätestens dann, wenn ich CMS für eine Parteienbezeichnung halte, nach Testkorrekturen ISO-Abkürzungen ins Notenfeld eintrage und die Personalentwicklung einem Softwaremenschen anvertrauen möchte, ist die Zeit der Erkenntnis gekommen:
Ich kriege das alles nicht mehr aufgefädelt.
Nicht nur organisatorische und gesundheitliche, nein, auch rein ästhetischen Gründe sprechen dafür! Um meine Augenringe von einem schwarzen Grundton auf ein leichtes Lila zu kurieren, melde ich mich für diese Woche vom Internet ab, auch hie und da und dort.

Leeres Schulhaus

Es ist nicht so, dass ich die zertretenen Madeleines im Gang vermissen würde.
Und auch nicht unbedingt die Kaugummis auf der Unterseite des Treppengeländerlaufes.
Die Klagen über Benotung, Schulwege, Müdigkeit und andere Herausforderungen fehlen mir wirklich kaum.
Ohne die belehrenden Bemerkungen zu meinen Unterrichtsmethoden kann ich ebenfalls gut leben.
Schulhaus während der Herbstferien 2007
Ich vermisse einfach die Schülerinnen und Schüler – alle zusammen. Ohne sie ist das Schulhaus so verdammt leer und langweilig.

Tischgespräch [28]

Kind:
Machen die Grünen etwas falsch, dass ihr sie nicht wählt?
Mutter:
Nein. Grün, wer kann da schon dagegen sein?
Kind:
Warum wählen die anderen die Grünen?
Vater:
Weil sie nichts falsch machen.
Kind [überlegt laut]:
Wir sind heute mit dem Car vom Sportlager viel über das Land gefahren… hmm. Wo könnte das gewesen sein?
Vater:
Vielleicht im Luzernischen?
Kind:
Jedenfalls gab es viele Felder auf denen „SVP – Mein Zuhause – Unsere Schweiz“ gemäht war. Das hat uns so genervt! Einer rief, er wolle aussteigen, er wolle einen Rasenmäher.
Mutter [murmelt]:
Ihr seid noch im linken Alter.
Kind:
Aber die Bauern wollen halt „Blocher stärken“.
Vater:
Ohne jeden Grund. Blocher hat für die Bauern noch nie etwas gebracht, ausser für die sehr reichen, aber da spielt der Beruf keine Rolle.
Mutter:
Ja, man könnte sagen, mit ihrer eingemähten SVP-Treue zeigen die Bauern, dass sie keine Subventionen mehr brauchen.
Kind:
SVP wählt aus unserer Klasse jetzt echt kein Mensch.
Mutter:
Und wenn jetzt euer Turnlehrer in der SVP wäre und kandidieren würde?
Kind:
Mmh. Dann würden ihn die meisten wählen, wenn sie alt genug wären.
Mutter:
Weil sie denken, sie geben ihm die Stimme, nicht der Partei. Darum ist es wichtig, dass ihr in der Schule über die Wahlen redet und lernt, wie das Wählen geht und dass es ein Recht und eine Pflicht ist. Und wie sie überhaupt funktioniert, unsere Demokratie. Denn am Ende brauchen wir weder Monarchen noch Bin Laden noch Guantanamo, um ihr das Licht auszublasen, es reicht dazu ein grosser Haufen fauler Pflaumen.
Kind:
So redest du immer! Das ist unfair! Das regt mich auf! Politik interessiert uns ja! Jetzt-habe-ich’s-grad-erzählt!
Mutter [kleinlaut]:
Du hast Recht. Exgüsé.

3 von 1000 Gründen nicht zu bloggen

  • Zum Beispiel nie darüber, dass ich dem Kind seinen Gameboy in die Ludothek zurückgebracht habe, auch wenn es witzig war. Weil sonst jemand denken könnte: Jetzt tat die immer so, als wäre das Kind einigermassen selbständig und dann reicht es ihm nicht einmal, sein Zeugs rechtzeitig in die Ludothek zu bringen und Mami muss. (Kategorie: Ruf als Erzieherin.)
  • Zum Beispiel über mein politisches Engagement und die Politikerinnen, die ich unbedingt ins Parlament gewählt haben will. (Kategorie: Polit-PR, mies getarnt.)
  • Und überhaupt. Es gibt Abende, da hätte ich so viele Ideen für Blogbeiträge aber auch so viel pendent aus der Freiwilligenarbeit, dass ich mich gar nicht traue meine Anwesenheit im Internet bekannt zu geben, weil ich die dann vor meinem geistigen Ohr keifen höre „Unser Newsletter konnte sie nicht aufschalten, aber ja, ja, zum Bloggen hat sie immer Zeit.“ (Kategorie: Ruf als Gutmensch.)
  • Blick zurück

    Ehe ich in der Schule meinen Referenten-Status (Stundenlohn) los und als Lehrerin gewählt wurde, habe ich eine Plus- und eine Minusliste zum alten neuen Job geführt. Als ich nun wieder einmal in diesem Notizbuch aus dem Jahr 2000 blätterte, ist mir deren Kürze aufgefallen.
    Ich erinnere mich an keine Sinnkrise in der Zeit, als ich mich vom Front-Buchhandel zurückzog, ich hatte kaum Zweifel. Eine mögliche Erklärung, warum es bei nur je drei Punkten geblieben ist.

    Minus:

  • Es hat hier keine Petflaschensammler.
  • Die Schulzimmer werden willkürlich renoviert, wer am lautesten schreit…
  • Wenn wir endlich neue Geräte bekommen, fehlte die Instruktion and there are no fucking manuals.
  • Plus:

  • Die Absolventinnen, die ich treffe, erinnern sich immer positiv an die Schulzeit.
  • Es besteht Hoffnung auf eine CI, Identifikation wird möglich.
  • E-Mail etabliert sich doch noch als Kommunikationsmittel!
  • Aus dem Reisenotizbuch [7]

    9. April 2007 7:10
    Ich bringe zwei Paar Jeans im Wäschebeutel an die Reception („10$ each“), und lese auf der goldenen Tafel daneben die Namen der Gründer dieses Hotelgiganten: Mgrdichian (Chairman), Tumanjan (CEO), Papjan (Jr.). Es beruhigt mich zu sehen, dass Armenier noch anderweitig vorkommen denn in Sachbüchern über Genozide.
    Ich gehe dann mit dem Kind in den Fitnessraum neben dem Casino. In den mit gold-blumigem Teppich bespannten Ecken der Lobby hängen nächtliche Schatten, die nichts mehr zu verspielen haben; fast alles Frauen.
    Das Kind rennt auf dem Laufband während ich das grösste Fitnessgerät meines Lebens besteige: einen gigantischen Stepper, der Treppenlaufen, Velofahren in die Vertikale und Klettern am Steilhang gleichzeitig anbietet. Für mein Gewicht ist keine Einstellung möglich, ich bringe den Zähler von den eingestellten 300 Kilos nur auf 70 runter. Dafür kann man sonst ca. achzig verschiedene Einstellungen machen und das Gerät redet unverständliche Befehle. Nach der 14. Minute der vereinbarten Trainings-Viertelstunde gebe ich auf.
    **
    9. April 2007 9:35
    Entering Hollywood Boulevard – hier wollte das Kind unbedingt hin. Wir sehen vor dem Autofenster ein Braille-Institut, ein Kinderspital, ein Gebäude „Knesset Israel“, quer dazu einen L.-Ron-Hubbard-Way und alles überragend die Scientology Kirche. In Hollywood begegnet man nur seinesgleichen (Touristen soweit das Auge reicht) und spanischem und asiatischem Personal, das Hunde ausführt und frisches Gemüse anschleppt. Wir halten Ausschau nach dem mexikanischen Kellner aus der Sport-&-Steak-Bar vom Vorabend, er arbeitet tagsüber scheints auch hier irgendwo und hat uns nichts so warm empfohlen wie die Hollywood-Führung durch die Studios.
    **
    9. April 2007 10:10
    Kate Moss a gogo
    … Sunset Stripe
    … Beverly Hills
    … Mountain Drive
    … Alpin Drive
    Am Grossflächigsten werden zwar Windows Vista und iPod beworben, aber das Modell der Stunde ist auch hier Kate Moss. (Klick her.)

    BAM 2007

    Messen sind das Erschöpfendste, was es gibt. An die Buchmessen fahre ich jeweils als Fachbesucherin, an die BAM als Ausstellerin. Ob in der einen oder anderen Rolle, sind Messebesuche von Berufes wegen zugleich das Beste, was es gibt. Denn wer an Messen kommt, will reden und angesprochen werden, verkauft wird jedoch nichts. Deswegen herrscht an Fachmessen eine unbeschwerte Emsigkeit, die den Kopf frei und Kontakte leicht macht.
    Am Freitag zwischen 9.00 Uhr und 12.00 Uhr hatte ich sechzig Jugendliche, die eigentlich ganz gerne Buchhändlerin oder Buchhändler werden möchten. Da können wir doch froh sein, dass die Firmen auf Vormarsch aus dem Ausland Leute mit Branchenkenntnissen suchen. Zugleich hoffen wir, dass sie dereinst auch neue solche ausbilden werden. An unserer Schule soll’s gewiss nicht scheitern.
    Eben: Heute war ich an der Ausbildungsmesse, morgen unterrichte ich, dienstags habe ich noch einmal BAM-Dienst und am Mittwoch ist schon OL in der Schule. (Zum Start begleite ich eine Klasse, aber Mitrennen übersteigt meine Möglichkeiten. Nur falls jemand zu fragen gedächte.)
    Anstehen am WKS-Stand 2007
    Rückblick gefällig? BAM 2006.