Schlecht geordnete Gedanken zur Toleranz

Für mich gehört das Lesen von Blogs nicht minder zum Bloggen denn das Schreiben in solchen. Um Beiträge und Kommentare wie die zur Toleranz (z.B. bei Liisa) zu lesen, gebe ich gerne ein paar Stunden Schlaf her.

Manchmal versuche ich, mich einem gesetzten Thema zu nähern und scheitere. Bloggen ist für mich eine authentische Angelegenheit und sobald ich mich anhänge, will ich zwanghaft originell sein. (Ich wäre niemals fähig, einen Fragebogen ehrlich zu beantworten.)

Wenn mich eine Thema schon vorher argumentativ beschäftigt hat wie die Mohammed-Karikaturen oder Banlieu, kann ich leicht und offen darüber schreiben, auch wenn es ganz viele andere ebenfalls tun. Unbekanntes oder meinungstechnisch Abgeschlossenes wie eben Toleranz kann ich bloggisch weniger gut aufgreifen. Aber drei Bemerkungen dazu habe ich nun doch:

  • Die Toleranz gegenüber Intoleranten habe ich mir (vor allem dank Freiwilligenarbeit im Quartier) abgewöhnt und fahre gut damit.
  • Zu meinen jahrelangen Stammgebieten der Intoleranz (= Rassismus und Ungelichbehandlung von Frauen) ist mit dem Kreationismus leider noch ein drittes hinzugekommen. Es ist anstrengend für mich als Hippiekind auch noch Gläubigen gegenüber intolerant zu sein, ich hätte gern darauf verzichtet. Aber in der Volksbildung geht Naturwissenschaft vor. Immer. Sonst können wir auch gleich zumachen und unsere Leute schön auf Koranschulen und Klöster verteilen.
  • Übrigens etabliert sich “Toleranz” im Schulbereich schleichend als Schimpfwort. Ich schätze, im Moment befindet sie sich auf halbem Weg zur Mutter aller pädagogischen Reizwörter, der Antiautorität. Wenn es so weitergeht, wird die Toleranz im Schulwesen in wenigen Jahren nur noch von wenigen Ewiggestrigen betrieben werden.
  • 4 Reaktionen zu “Schlecht geordnete Gedanken zur Toleranz”

    1. Liisa

      Oh, ich hoffe, mein Text hat Dir nicht zuviele Stunden des Schlafes geraubt!

      Nachdem ich meinen Text geschrieben und veröffentlicht hatte, dachte ich mir, dass ich vielleicht noch hätte erwähnen sollen, dass es natürlich auch bei mir Punkte gibt, wo die Toleranz aufhört. Wenn ich allem und jedem gegenüber “tolerant” bin, würde das bedeuten, dass ich niemals einen Standpunkt beziehe. Ich würde also z.B. handfeste Gewalt gegen andere NICHT tolerieren geschweige denn akzeptieren.

    2. Tanja

      Liebe Liisa! Natürlich nicht (zu viel Schlaf geraubt, im Gegenteil). Aber der Satz oben klingt ein wenig so, das ist doof, entschuldige bitte! Es waren ja noch andere Texte und weiterführende Links: nicole, indica, kaltmamsell.

    3. kaltmamsell

      Aufgewachsen mit Katholizismus, Latein und “Agnus dei, qui tollit pecata mundi”, ist mir sehr bewusst, dass Toleranz Andersdenkender weh tun kann - und genau mit diesem Schmerz werde ich nicht fertig. Am ehesten geht es, wenn ich diese anders (was ich fühle, ist natürlich “falsch”) denkenden liebe, zum Beispiel meine Eltern.

    4. Tanja

      Vielleicht ist die Liebe dazu da, Toleranz zu transportieren? Das wäre eine sehr schöne These.

      Ich sollte noch präzisieren:

      Mir sind die Religionen im Grunde wertvoll, es erwächst und erwuchs ihnen ja nicht nur Schlechtes. Was ich nicht toleriere ist, wenn sie als Schulfach nicht deklariert werden und - “Theorie” genannt! - in die naturwissenschaftlichen Fächer und Schulbücher einfliessen.

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