Stundenplanung

halte ich für die anspruchsvollste Planung im Schulalltag. Wer denkt, das sei eine rein logistische Übung, irrt. Denn bei der Stundenplanung kommt alles zusammen: Alle Reformen, alle örtlichen, zeitlichen und personellen Herausforderungen. Zum Zeitpunkt der Bekanntgabe des Stundenplans muss von Veränderungen in Lehrplänen bis zum Einsatzplan der Putzequipe alles überlegt sein.

Bei uns läuft es so, dass die Abteilungsleiter die Kriterien festsetzen, nach welchen geplant werden muss. Danach setzen sie zusammen mit dem „Stundenplaner“ (einer Stabsstelle) die Prioritäten in ihrem Kriterienkatalog.

In die Berufsfachschule kommen die Lernenden ja nur zwei Tage in der Woche und teils von weit her. Ich achte natürlich darauf, die Schultage pro Lehrjahr so festzusetzen, dass sie für die Lehrfirmen stimmen, vor allem weil viele Lehrfirmen ja Lernende in allen Lehrjahren haben. Denn gut und gern ausbilden tut nur, wer erträgliche Rahmenbedingungen hat. Uneingeschränkt entgegenkommen kann ich den Ausbildungsbetrieben aber nie, weil ich ja die Auslastung im Schulhaus bedenken muss.

Die Lektionen von Fachlehrpersonen, die nur kleine Unterrichtspensen haben, muss der Stundenplaner zwingend so platzieren, dass es mit ihrer anderen Anstellung aufgeht, sonst kriege ich diese Leute nicht. Wenn also jemand alle drei Lehrjahre nur eine Wochenlektion unterrichtet, stehen wir bereits im Zielkonflikt zu einer guten Verteilung der Schultage (für Azubis, Lehrfirmen und Schulanlage).

Und ich habe es als Abteilungsleiterin noch einfach, denn meine Abteilung ist klein. Und ich kenne die Buchhandlungen gut genug, dass ich schon im Winter einschätzen kann, wie viele Lehrverhältnisse es auf den kommenden Sommer geben wird und wie viele Klassen ich dann haben werde. In anderen Abteilungen schwitzt man Blut, weil manchmal noch im Juni noch eine neue Klasse eröffnet werden muss, die ihrerseits Lehrpersonen, Unterrichtszimmer, Turnhallen und PCs braucht.

Das hier Erwähnte ist natürlich nur die Spitze des Eisbergs. Aber der Eisberg ist für Nicht-Stundenplaner auch uninteressant. Das merkte ich immer dann besonders gut, wenn ich auf Klagen, der Stundenplan sei schlecht, erklärend antworte. Deswegen beschränke ich mich inzwischen darauf zu wiederholen, dass jeder durchgedrückte Einzelwunsch den Stundenplan verschlechtert. Manchmal den von einzelnen anderen, manchmal sogar den Gesamtstundenplan. Aber auch das Umgekehrte ist wahr:

Jeder Verzicht auf Stundenplanwünsche verbessert den Stundenplan für alle.

2 Reaktionen zu “Stundenplanung”

  1. Silvia M.

    Wow, und das alles unter Zeitdruck. Zum Glück ist vernetztes Denken deine Stärke!

  2. Tanja

    Der Zeitdruck ist eigentlich ein Segen. Ohne ihn würde die Studenplanerei nie fertig.

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