Die Verwaltung der Planung

Zugegeben, es ist mir etwas peinlich, es zuzugeben: Obwohl ich schon ein Jahr daran arbeite, sind meine Harmonisierungsversuche zwischen beruflicher und persönlicher Datenverwaltung kläglich.

Ich führe eine berufliche Agenda und eine private Agenda. Die berufliche ist Pflicht, weil ich ja da meine Termine mit vielen koordinieren muss (Bildungsleute treffen sich nur selten in Zweiergruppen). Weil mich aber diese Agenda (rein softwaretechnisch) stresst, habe ich mich noch nicht aufraffen können, meine private Agenda aufzulösen. Denn in meiner privaten Agenda sind ja nicht nur ein paar Verwandtschaftstermine, sondern auch alle aus der Freiwilligenarbeit. Diese Woche beispielsweise ist meine Berufsagenda (Schulanfang) genau gleich voll wie meine Privatagenda (Wahlen, Gäbelbachfest). Und natürlich gäbe es viele lustige Überschneidungen, würde ich sie überhaupt sehen.

Doch, eine gute Nachricht gibt es: Die Entsorgung meiner zehnjährigen SIM-Card und der Erwerb eines neuen Handys haben zu einer Synchronisation zwischen privat (ThinkPad) und privat (Nokia E65) geführt. Immerhin.

Es ist auch eine Frage der Kontakte. Mein Arbeitgeber ist dahingehend nicht anspruchsvoll. Ein Mensch im Schulwesen darf seine Kontakte ruhig in einem kleinen grünen Büchlein, in einem Palm, im Blackberry (seltener Fall), seinem Notebook oder iPhone sammeln – ich jedenfalls kenne niemanden, der Rechenschaft ablegen müsste oder verpflichtet wäre, seine Kontakte anderen zugänglich zu machen.

Nach einer fünfzehnjährigen Laufbahn im Buchhandel und Bildungswesen bräuchte ich wohl psychologischen Beistand, um meine Kontakte in berufliche und private zu trennen. Soll mir ja niemand sagen, ich könne die Leute zweimal aufnehmen – das habe ich nämlich schon und das ist eine Katastrophe. Eine Person = ein Datensatz. Das wäre eigentlich mein Credo. Nur leider habe ich noch keine Kriterien für die Zuordnung gefunden.

Ich bin mit dem Import und Export meiner Kontakte zwischen den Systemen nicht technisch, sondern inhaltlich und formal überfordert. Ich habe mir vor fünfzehn Jahren keine Richtlinien für die Aufnahme von Adressdaten in der privaten Agenda überlegt. Nur einmal habe ich alle, die unter Vornamen aufgenommen waren, auf Nachnamen umgeschrieben, das war noch im gebundenen Adressbuch und eine sehr weitsichtige Tat. Aber sonst?

Ok, ich bin dran, die passende Ländervorwahl vor alle Telefonnummern zu setzen, das ist zu bewältigen. Aber sonst? Wäre es nicht wichtig zu wissen, dass die Dame zwar nicht mehr aber mal bei einem Politiker gearbeitet hat? Bleiben Handynummern bei Ausgewanderten gleich? Wie viele Adressänderungen von Ehemaligen kann ich bewältigen? Soll ich jeden Kontakt aus der E-Mailkorrespondenz ins Adressbuch aufnehmen? In welchen Intervallen löschen, an wen ich mich nicht mehr erinnere? Und was antworte ich dann, wenn ich Nachricht von einer vergessenen Person bekomme, wenn ich die Person gelöscht habe?

Ich muss aufhören, das macht mich fertig. (Ja, werte Ehemalige, in dieser Sache stimmt es: ich bin überfordert. Nehmen Sie sich kein Beispiel und überlegen Sie sich schon in jungen Jahren, wie sie den wachsenden Adressstamm Ihres Lebens managen.)

4 Reaktionen zu “Die Verwaltung der Planung”

  1. evelyne

    Willkommen im Club! Sicherheit durch Redundanz ist meine Ausrede, um Kontakte ohne Konzept aufzunehmen… Den Schülern predige ich natürlich anderes, und wie! Access würde dein Verknüpfungsproblem lösen, aber es schützt nicht vor Doppelspurigkeit. Wie wär’s mit einem einzigen Tool? Palm, Papieragenda, Handy etc. Gottchen, ich weiss auch nicht weiter :-/

  2. Tanja

    Ja, sicher, ich möchte ein einziges Tool, es gibt nur diese Lösung. Aber mein Zwangs-Tool (Arbeit) ist gelinde gesagt nicht geeignet. Es würde mir das Herz zerreissen, alle meine jahrelangen Kontakte so zu kürzen, damit sie dort integrierbar wären. Und es zerreisst mir den Nerv, den Arbeitgeber von einem Toolwechsel zu überzeugen. Ist ja auch absolut nicht in meiner Kompetenz.

  3. lizamazo

    gutes Thema ;-(
    habe vor eineigen jahren von der trennung abschied genommen, weil ich die “lustigen überschneidungen”, wie du es nennst, nicht mehr auf die reihe kriegte. die umstellung war eine mittlere armeeübung, aber inzwischen habe ich mich daran gewöhnt.
    und inzwischen haben wir auch etwas handlichere tools; vielleicht mag ja ein anderer deinen arbeitgeber beknien? gerade der umstand, dass man die kontakte und termine auf verschiedenen computern synchronisieren kann, garantiert dir quasi immer ein backup, finde ich irgendwie beruhigend.
    aber früher war dann im fall schono alles besser, da haben wir unter freundinnen einander in nächtelangen anfällen papieragenden gebastelt und zu weihnachten geschenkt… heute macht das meine babysitterin für ihre freundinnen;-).

  4. Tanja

    Warne deine Babysitterin vor den Gefahren der Papieragenden, wenn möglich noch mit integriertem Adressbuch, lizamazo ;-)

    Ja, genau, Synchonisation in einem Tool wäre wunderbar. Dann wäre ich auch motiviert, das beruflich/privat zu lösen.

    Ich halte E-Agenden und E-Adressbücher für sowas wie Eisenbahnschienen - muss einfach normiert sein, ich habe doch keine Lust ständig umzusteigen. Aber einerseits gibt es die Gates-Hasser (die sind zwar missionarisch aber nicht schlimm) und andererseits gibt es die, die vom Bisherigen nicht loswollen und sei es noch so überholt (die sind ein Macht für sich).

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