Die Perspektivefragen

Ich mochte billig nie. Das liegt nicht an einem begüterten Elternhaus sondern daran, dass mir von Anfang an eingeimpft wurde, dass immer jemand bezahlen muss und dass es seliger mache, selber zu bezahlen. Gerade weil wir in meiner Kindheit mit knappen Mitteln auskommen mussten, habe ich auch mitbekommen, dass Qualität zwar käuflich, aber auch mit Fleiss und Uneitelkeit zu haben ist. Ein leuchtendes Beispiel sind meine (unbegüterten) Grosseltern, die sich bin ins höchste Alter so zu ernähren vermochten, dass sie als Modell für jeden Bioratgeber mit Nachhaltigkeitssiegel passten. Sie pflegten den Garten und hielten sich eisern an das, was sie ein Leben lang gepredigt hatten: Geben muss man immer, erwarten immer wenig.

Im Frühling hatte ich mit meiner Coiffeuse eine längere Diskussion darüber, ob eine Tageskarte für ein mittelgutes Skigebiet von CHF 60.00 viel oder wenig koste? Sie vertrat „viel“ („jeeeenseits!“), ich das Gegenteil. Sie ging natürlich von ihrem Budget aus, ich davon, was es an Manpower und Pferdestärke braucht, um den Betrieb einer Skipiste zu ermöglichen. Als meine Frisur – die zwei Tage Skiabo kostete – fertig war, hatten wir uns mehr schlecht als recht darauf geeinigt, dass die, die an der Skipiste arbeiten, bestenfalls eine Coiffeurlohn bekommen. Und ihren Lohn wiederum hielt die Coiffeuse für viel zu tief.

Ich finde, dass die ganze Debatte um den Euro und die Krise und wer bezahlen muss für wessen Fehler eigentlich sehr gesittet verläuft. Und wenn ich höre, man sollte endlich die kleinen Leute ran lassen ans Regieren, bin ich nicht so sicher, ob ich das möchte.

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