Zum Jahreswechsel

“Quantität vor Qualität” rief mir ein Aktionskünstler der Siebzigerjahre in Buchform zu; eine Bibliothek steckt immer voller Überraschungen. Auch für die Zügelmänner, weil die glauben der Buchhändlerin ja nie, da kann sie noch so lange sagen und schreiben, dass die paar Büchergestelle wahrhaftig fünfzig Kisten füllen werden.

Immerhin kann ich dieses Mal gelassener erlesen als auch schon, sogar von meinen Tagebüchern habe ich mich relativ leichten Herzens verabschiedet. Es waren bloss noch die zwischen 1989 und 1995 übrig, seither führe ich nur noch Notizbücher, welche ich jeweils schnell nicht mehr entziffern kann. Wahrscheinlich ist mir ungefähr zu dem Zeitpunkt die leserliche Handschrift abhanden gekommen.

Aus den Tiefen der halbverpackten Bibliothek wünsche ich

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meinen geschätzen Leserinnen und Lesern
ein wohlgesinntes, freundliches neues Jahr.

4 Reaktionen zu “Zum Jahreswechsel”

  1. Jürgen

    Was ein schönes Wort: Zügelmänner.
    Ich wüßte gar nicht, ob es im Hochdeutschen etwas Ähnliches gibt: Umzugsmänner?

    Schon vor Jahren stutzte ich ob des Wortes “zügeln”, welches ein Schweizer Kollege benutzte. Denn zunächst verstand ich es nicht.
    Zügeln heißt ja bei uns was ganz Anderes: Zügel anlegen, sich zurücknehmen.

    Aber das schweizerische zügeln, das hat etwas von Handkarren und mal eben um die Ecke “zügeln”. Von Beschaulichkeit und Idylle.

    Möge Dein neues Zuhause davon viel, und wenig vom deutschen Zügeln haben.

  2. Tanja

    Danke, Jürgen. Ja, ich erlaube mir im Blog manchmal Helvetismen, es gibt wirklich Dinge, die sind schwer ins Hochdeutsch übersetzbar. Allerdings ist das umgekehrt auch der Fall, meistens bin ich sehr, sehr froh, dass ich nicht in Dialekt schrieben muss, denn Beschaulichkeit hat ja auch eine Kehrseite.

    Alles Gute und schöne auch dir!

  3. kaltmamsell

    Unbedingt weiter helvetisieren, liebe Tanja, gerne auch mehr. Danke für deine Ein- und Überblicke, ich freue mich auf die im Jahr 2012!

  4. Wei Mar

    @ Jürgen: Dafür gabs in Deutschland früher die Möbelpacker. Ich kenne sie als mythische Gestalten aus Kinderbüchern und Jugendromanen, als starke Männer, die Klaviere stemmten. Alfred Polgar (die drei rororo-Bände ungelesen kaufen und dann lesen!) hat ein wunderschönes Feuilleton über ihre aussterbende Gattung verfasst.

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