Wochenrückblick

23. October 2016

Vergangene Woche pralles Leben - allerlei kleinere Krisen in der Schule, überall ein wenig Chaos, mühsam manchmal, aber nichts Schlimmes dabei. Genau das, was sich viele sehnlichst wünschen, die keine Arbeit, kranke Angehörige, Hunger oder gar Krieg haben. Dankbarkeit für meine kleinen Probleme ist daher angebracht.

Ich war dieses Jahr leider nicht auf der Buchmesse in Frankfurt, habe aber derweil die Klassen unterhalten, deren Lehrpersonen andere Klassen an die Messe begleitet haben.

An unserer Schule gibt es kaum Bernerinnen und Berner. Schon lange wollte ich deshalb Stadtrundgänge machen. Doch im Unterrichtsalltag fehlt dafür die Zeit und auch das Geld ist nicht grad mit einem Fingerschnippen zu beschaffen. Aber jetzt hat es geklappt und war richtig schön: Ein Orientierungslauf der besonderen Art durch die Berner Altstadt und ein Rundgang mit dem Schwerpunkt Bern (un)gläubig brachten selbst mir die Stadt näher. Beides waren von StattLand originell und sympathisch organisierte Führungen, die ich nur empfehlen kann.

Und heute war Sonntag. Und morgen wird Montag. Bleibt munter da draussen!

Pegasus 121: Generationenfragen

17. October 2016

Lange dachte ich, mich verbinde anderes mit dem Beruf als die jungen Buchhändlerinnen. Ich habe mich geirrt. Weder, dass sie über Perlen aus Fantasy-Reihen bloggen und ich über solche bei Matthes & Seitz, noch, dass ihnen Marlene Streeruwitz nichts sagt, während ich von Cassandra Clare noch nie gehört habe, ist entscheidend. Ob ich mit einem Buchhändler vom Abschlussjahrgang 1968 am Tisch oder einer Lernenden auf der Schulhaustreppe sitze: Über alle Generationen* hinweg eint uns das Bedürfnis nach Lektüre fürs Leben.

Und haben wir ein gutes Buch fertig gelesen, ist alle Müdigkeit verflogen. Wir treten hinaus in die kühle Nacht, breiten die Arme aus, heben das Gesicht zum Himmel und warten gespannt, bis das nächste Elmfeuer der Literatur die Dunkelheit durchbricht.

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53. Seite

11. October 2016

53. Seite

Lektüre: SINN UND FORM, 2016/Fünftes Heft
Gelesen am 27. September 2016
In Lanzarote, Nähe Yaiza

10x Standortbestimmung

20. September 2016
  • Ich lese Fiction: Imbolo Mbue, Behold The Dreamers
  • Ich lese Non-Fiction: Münkler, Die neuen Deutschen
  • Ich lese Bilder: American Realities
  • Ich verkaufe: Lehrberufe an der BAM.
  • Ich telefoniere: Weil “meine” Berufe jüngst in der Presse waren, tauchen neue Fragen zur Buchhändlerin und zur Fachfrau Kundendialog auf.
  • Ich redigiere: Die neuste Nummer vom Pegasus, die bald fertig ist.
  • Ich plane: Zusammen mit anderen ein grosses Jubiläumsfest für unsere Schule am 1. April 2017.
  • Ich schenke: Lists of Note und bestelle für mich selber auch noch ein Exemplar.
  • Ich esse: Im Flug.
  • Ich entscheide: Noch nicht.
  • 9/11 mit Abschiedsliedern

    11. September 2016

    Ich führe zu viele Jahrestage in meinem Kalender und überlege zu oft, was man zu welchem thematisieren könnte. Das liegt am Beruf, jedenfalls an der Art Buchhandel, wie ich sie mal gelernt habe (vor Internet und Totalglobal). Es war damals relevant für Umsatz und Ruf, ob eine Buchhändlerin die an dem Tag verlangten Titel bereit hatte und das Schaufenster mit den dann erscheinenden Presseartikel korrespondierte.

    9/11 ist ja für die meisten hier Mitlesenden mit vielen Erinnerungen verbunden. Ich habe beispielsweise bis heute einen Ordner mit Favoriten, den ich mir dazumal für Recherchen und Nachrichten zum Thema angelegt hatte. Angehende Buchhändlerinnen kennen 9/11 nur vom Hörensagen - die Jüngsten von ihnen kamen dann gerade erst zur Welt. Für sie sind Krieg im nahen Osten und Islamdebatte keine Entwicklung, sondern ein Dauerzustand. Und punkto Terroranschläge sind ihnen die neusten in Europa zeitlich und geografisch näher. Bücher zum Thema, die sich wirklich verkaufen, betreffen den IS und die Menschen, die ihm folgen.

    Dieses Wochenende voll mit Quartierfesten, einem autofreien Sonntag und vielen fröhlichen Menschen auf der Strasse habe ich oft an den Tag vor 15 Jahren in New York gedacht. Wie viele Seiten haben wir alle, die wir damals schon lebten, über diesen Anschlag gelesen, wie viele fallende Türme und Menschen gesehen? Wie oft über Ursache und Wirkung debattiert? Wenn ich nur hier vom Notebook aus kurz den Blick hebe, fällt er genau auf Ahmed Rashids “Taliban”. Ich frage mich: Wäre das heute auch noch so? Das Verfalldatum von Nachrichten erscheint mir inzwischen so kurz und Medienleute von heute werden anderen Bedürfnissen gerecht als solchen nach umfassenden Recherchen. Nach dem furchtbaren Erdbeben in Italien bekamen wir stündlich die Opferzahlen auf den Bildschirm geliefert aber am Ende musste ich selber herausfinden, ob alle geborgen werden konnten oder immer noch Menschen vermisst sind.

    Back to New York: Das Beste und bis heute Passendste zum Jahrestag habe ich bei Jon Carroll vom San Francisco Chronicle (seit 2015 pensioniert) gelesen. Er schrieb am 11. September 2002: The Ax Falls, And It Falls Again.

    And back to Italy: Die Musik der Grikos, die samstags am Strassenfest gespielt wurde, passte gut. Sie hilft, mit der Unsicherheit zu leben.

    Andra Mou Pei, melancholisch.
    Kalinifta, fröhlicher, als man zuerst meinen könnte.

    Pizzica Pizzica