Nur kurz1: Bernensia

15. January 2017

Ihr Lieben, die ihr mir geschrieben habt: Danke für eure Beileidsbekundungen, weil wir nun anstatt einer Frau einen Mann als Stadtpräsidenten haben. Das ist der Normalfall und nichts, was mich erschüttert. Aber zur Frauenförderung gibt’s keine Alternative - wir müssen es nächstes Mal wieder machen und ich bin stolz, in einer Partei zu sein, in der Frauen für Exekutivämter aufgestellt werden, auch wenn ihre Chancen, gewählt zu werden, geringer sind. Meine Tweets zum Wahlausgang betreffen aber Sorgen, die ich mir ehrlich mache.

Bis jetzt hatten wir das ganz gut getrennt in Bern mit dem alten Geld und der Politik. Aber die Von Graffenrieds haben 2003 die Berner Zeitung “Der Bund” gerettet, dessen Chefredaktion sich nun über ein Jahr lang eindeutig und einseitig dem auf mich lange unmotiviert wirkenden Patrizierspross verschrieben hat, wie natürlich auch die Burgergemeinde. Dass die Präsidialdirektion der Bundesstadt nun in dessen Händen liegt, kann vorkommen. Dass ich als Bürgerin überhaupt nicht sehe, wer hier wen mit wie viel unterstützt, stört die Harmonie erheblich.

Aber jetzt zurück zu den Mädels: Ich habe ausgerechnet, dass ich, wenn ich so fit bleibe wir meine Frau Mamma, noch die Frauen in der Politik werde fördern können, die heute als Jugendliche politisch aktiv werden (in einer mir erträglichen Partei). Da gibt es also noch einige Wahlkämpfe zu belgeiten. Und vielleicht sogar zu gewinnen.

Listen more; talk less

31. December 2016

Ab morgen mache ich Ferien in den Walliser Bergen und bin unentschlossen, ob ich hier noch etwas zum neuen Jahr hinterlassen soll? Vielleicht eine Buchempfehlung? Gerade habe ich Ecos “Bücher sprechen über Bücher” fertig gelesen und war einmal mehr erstaunt über seine Formulierfreude und überhaupt das Visionäre in den doch nur kurzen Essays. Aber mehr dazu zu sagen ist nicht nötig, denn das Bändchen hat nur 47 Seiten und sein Inhalt dient denen am besten, die ihn selber lesen.

Die Regionalpolitik eignet sich leidlich für den Jahreswechsel, es sind der Empfehlungen genug vorhanden. Auch die Weltpolitik ist qualitativ und quantitativ ausreichend abgedeckt, Kommentare gibt es im Überfluss. Deshalb widme ich mich den Antworten des unbekannten Quäkers auf die Frage “Wie werde ich ein besserer Mensch?”, die gut zum neuen Jahr passt und mich ohnehin oft beschäftigt. Wobei ich sie mir eher in der weniger ehrgeizigen Version stelle: “Wie werde ich kein schlechterer Mensch?” Es fällt mir zunehmend schwer, engagiert und reflektiert und allen Menschen zugeneigt zu blieben, wenn ich mich umzingelt fühle von so vielen, die nur noch auf den Bauch hören.

weiter…

Was in der Zwischenzeit geschah

27. December 2016

Ich sehe, ich habe lange nicht geschrieben, quel dommage! Passiert wäre genug, in meinen drei Tätigkeitsfeldern von Erwerbsarbeit, Familie und Ehrenamtliches ist ja stets irgendwo oder gar überall Bedarf. In aller Kürze: Wir haben en famille nächtelang gebacken (der Kalender gab bekanntlich dieses Jahr keine zusätzlichen Tage frei). Zudem telefonierte ich mehr als je zuvor in meinem Leben. Denn der von mir betreute Beruf “Fachfrau/Fachmann Kundendialog” hat einen enormen Lehrstellenzuwachs erfahren. Der Beruf ist noch immer neu, und wir sind der einzige deutschsprachige Schulort, weshalb wir als Stelle für Beratung, Trost, Ermunterung, Stundenplanwünsche, Clearing und Triage fungieren. Von Fragen besorgter Eltern (langer Schulweg) über solche neuer Berufsbildnerinnen (wie mache ich einen internen Ausbildungsplan) bis zu kantonalen Zuständigen (wer kann wovon dispensiert werden) werden uns gestellt.

Politisch ist Bern immer noch mit den Wahlen eines neuen städtischen Oberhaupts befasst, und da müssen wir dran bleiben, wenn wir eine Frau wollen. Mach ich gern! Richtig schön war das Treffen mit Ursula Wyss auf dem Hochhaus in Bern-Bethlehem, wo über 400 Menschen aus aller Welt und ein Grossteil meiner Familie wohnen. Und unter uns: Ich will nicht bloss “eine Frau”, ich will auch das Scheidungskind mit Fortsetzungsfamilie, eine Politikerin, die aus eigener Kraft mit klarem Kopf und mit selber verdientem Geld ihren Weg gegangen ist, die weder aus einer Politikerfamilie noch von den Bernburgern stammt. Ich hoffe inständig, die Bundesstadt sei nun reif dafür.

Ansonsten habe ich zahlreiche Entwürfe für ganz verschiedene Dinge gemacht, Notwendiges wie Überflüssiges - selbst ein neuer Beruf ist dabei. Und sogar der Selbstversuch Chorsingen ist schon zum zweiten Mal gut gekommen - “rock the Buxtehude” schrieb eine Freundin, als ich zweifelte. Zuerst scheint es mir immer zu viel, aber sobald ich dran bin, das einzig Richtige.

Besonders erfrischend waren heuer meine Besuche bei den angehenden Buchhändlerinnen an ihrem weihnächtlichen Arbeitsplatz. In der Dauerkrise freuen sich alle an guten Kundengesprächen, an Dankbarkeit und Interesse und der sorgfältigen Auswahl auf beiden Seiten. Mögen die Umsätze stimmen!

Mehr als andere Jahre habe ich mir zudem überlegt, ob und wie Weihnachten sich für mich verändert hat. Sicher bin ich konsumorientierter geworden. Aber nicht nur, weil ich mir mehr leisten kann, sondern weil es auch viel mehr Verschiedenes zu kaufen gibt. Ich hatte mir als Kind jahrelang Flossen und eine Taucherbrille gewünscht, aber das fand man damals im Dezember - in dem auch mein Geburtstag ist - gar nicht. Erdbeertörtchen hätte ich auch gern gehabt, doch ausser Äpfeln, Mandarinen und Nüssen gab’s ja zu der Jahreszeit nur eingemachte Früchte. Meist bekam ich dann ein schönes Pyjama (unvermeidlicher Helvetismus, so hiess das halt für mich), welches ich möglichst rund um die Uhr die ganzen Feiertage über anbehielt.

Üben für Weihnachten 1980

wieder aktiv(er)

15. November 2016

Nach elenden politischen Entscheidungen oder Terroranschlägen muss ich immer viel lesen (aktuell Richard Ford), bevor ich wieder richtig denken (und schreiben) kann. So bin ich zwar übernächtigt, doch Tatendrang kehrt in Ansätzen zurück.

Heute war ich den ganzen Tag an der Herbsttagung des SBFI, mein Highlight unter derlei Veranstaltungen. Zum einen, weil es keine andere gibt, die so viele Menschen der Berufsbildung vereint, zum anderen, weil sie in einer Form organisiert und moderiert ist, die dem riesigen Bedürfnis nach Austausch entgegenkommt. Vornehmen tut sich das ja jeder Veranstalter, aber wie schnell kürzt eine Moderation die Kaffeepause, nur weil eine/r sich zu gerne reden hört? Dabei ist die genauso wichtig wie das Inputreferat. A propos: Dieses hielt heute der CEO des Gottlieb Duttweiler Instituts, David Bosshart. Sein Institut der Trendforschung geht auf den Migros-Gründer zurück, der seinerseits so manchen Trend vorweg genommen und bei mir auf jeden Fall eine Menge Kredit hat. (Meine Grossmutter kaufte trotz Anfeindungen der dörflichen Gewerbebetreiber im Migroswagen ein, heute bilde ich Fachleute Kundendialog von Digitec Galaxus aus.) Zu müde, sein Referat zusammenzufassen, sag ich nur das Wichtigste: Gemäss Bosshart bleibt die Zukunft digital, was bedeutet, dass wir so wenig darüber wissen, wie wir vor zehn Jahren ahnten, dass wir heute ein iPhone 7 als Zugang zu unserem ganzen Leben herumtragen würden. Er meint, immer bessere Bildung sei unerlässlich, aber keine Garantie. An alten Mustern industrieller Wirtschaft festzuhalten ruiniere Unternehmen und diskriminiere die kommende Generation. Klang für mich plausibel.

Back to politics: Wenn nötig (also jetzt) mache ich etwas Wahlkampf für Bern. Wer noch nicht abgestimmt und Vorbehalte - vor allem gegen die Stapi - hat, kann mir gerne hier schreiben, dann meld’ ich mich innerhalb von 24h über das gewünschte Medium. Neuerdings kann ich auch Facebook (es war unvermeidlich).

Und danach geht’s richtig los gegen die Initiative «Schweizer Recht statt fremde Richter (Selbstbestimmungsinitiative)». Der Erfolg dieser Initiative wäre wieder so ein Zug auf dem Schachbrett schweizerischer Politik, der uns als Gesellschaft wie als Individuum matt setzen kann. Wir kennen es von der Masseneinwanderung und der (dank Einzelnen und dank Bewegung) abgelehnten Durchsetzungsinitiative. Gespendet und geteilt habe ich schon, aber mit nicht Gleichgesinnten drüber gesprochen noch nie. Dazu muss ich mich noch aufraffen. Sonnenklar, dass diese Konfrontationen für jeden (noch so kleinen) Sieg über den Populismus unabdingbar sind. Und weil wir eh nicht darum herumkommen, können wir auch gleich anfangen.

She couldn’t win.

9. November 2016

Es gibt Nächte und Tage, da wünsche ich mir einfach nur, nicht Recht zu bekommen.

Aber die Sonne wird wieder aufgehen, zumindest erscheint es uns so. Und es gibt junge Frauen, die viel üben und zielgerichtet ihren Weg finden, es gibt sie in allen Bereichen. Und so setze ich meine Hoffnungen in die Jugend.