24. August 2010
In seinem Artikel im SPIEGEL vom 23. August 2010 “Demokratie und Heuhaufen” zeigt Thomas Darnstädt kurz und richtig, dass die Street-View-Entwicklung nicht in erster Linie das Privatleben, sondern die Öffentlichkeit bedroht. Auch wenn einiges davon schon bei Zeh und Trojanov steht, sehr lesenwert, weil Darnstädt aus der entgegengesetzten Richtung denkt.
(…) Haben die Bürger einst die Öffentlichkeit dem Absolutismus abgetrotzt, um frei zu sein, müssen sie nun erleben, dass neue absolute Mächte ebenso unkontrolliert wie einst Ludwig XVI. in Frankreich die Übersicht über alles beanspruchen.
Was Wunder, dass Politiker ratlos sind - es ist noch die klügste Reaktion. Denn selbst gutgemeinte Versuche des Staates, die Digitalisierung der Öffentlichkeit zu stoppen, gehen ins Leere. Die bürgerliche Öffentlichkeit lässt sich nicht durch saatliche Interventionen retten - Öffentlichkeit ist kein Naturschutzgebiet, um das der Staat Zäune errichten kann. (…)
[Bild: Vorstellungsrunde meiner neuen Azubis anhand von Arbeits- und Wohnort auf einer Schweizer Planokarte.]
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19. August 2010
Die Neuen sind sehr nett. Allein schon der Umstand, dass sie in diesen Zeiten Buchhändlerin und Buchhändler werden wollen, macht sie mir natürlich sympathisch.
Die Herausforderungen der ersten Schulwoche sind daher rein organisatorischer Natur. Hufeisen-Bestuhlungen, die über die Ferien wieder zu Reihen geworden sind, Arztzeugnisse für Einschränkungen aller Art verarbeiten, Gesuche für späteren Eintritt in den Unterricht aufgrund langer Schulwege ausfüllen lassen und genehmigen, Azubis beruhigen, die Fächern zugeteilt sind, die sie schon in einer anderen Ausbildung abgeschlossen haben - solche Sachen halt. Prä-Internet hat die Klärung dieser Angelegenheiten das ganze erste Quartal in Anspruch genommen, heute dauert es noch zwei, drei Wochen. Aus chronistischen Gründen nachfolgend ein paar Links zu den Informationen, die wir zu Schulbeginn geben:
Verhaltenskodex. Er ersetzt die “Hausordnung” und gilt natürlich für alle. Auf den Stellschildern mit dem Namen der neuen Azubis ist er aufgedruckt. Das heisst, die Lehrperson sieht auf der Vorderseite den neuen Namen, die Azubis sehen auf der Rückseite den Verhaltenskodex. (Der Kodex inklusive dessen Aufdruck auf dem Namensschild ist das Ergebnis eines halbtägigen Teamworks von uns Abteilungsleitern. Dass es nun schon das zweite Jahr funktioniert, freut mich sehr.)
Klassenstundenpläne. Bei uns gibt es keine endgültigen gedruckten Stundenpläne mehr. Die Klassenstundenpläne sind online, die Stundenpläne für Lehrpersonen und Zimmer ebenfalls (aber das nur mit Passwort).
Daten und Leitlinien zum Schuljahre 2010/2011. Das Vademecum ist das gedruckte Ding, in dem man alles Wichtige findet, wenn man nicht online ist.
FAQ online. Das ist einerseits die Sammlung, die Neue lesen könnten, wenn sie etwas nicht wüssten. Andererseits brauchen wir diese URL hauptsächlich, um die E-Mail-Fragen zu beantworten, die ja trotz (oder wegen?) aller Vorab-Information immer wieder gestellt werden.
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15. August 2010
Das ist ein Ausschnitt aus einer Verlagsvorschau von 4th Estate im Sommer 1996. Der Verlag war damals zwölf Jahre alt, arm an Mitteln, reich an Ideen und Freunden. Seine Bücher und Hefte waren schlicht und originell und für mich leicht zu an die aufgeschlossene Kundschaft zu bringen, wenn auch in kleiner Menge. Die 4th-Estate-Gründerin Vicotory Barnsley verkaufte im Jahr 2000 an HarperCollins, wo sie sich anstellen liess und meines Wissens immer noch arbeitet. Obige Typo war 1996 die Werbung für:
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13. August 2010
Im Lift in der Schule stecken geblieben. Baustaub schade dem Getriebe, er muss gereinigt werden. Beantragt, dass Lift bis nach der Reinigung geschlossen bleibt. Unerträgliche Vorstellung, dass die neuen Azubis in ihrer neuen Schule als erstes eingesperrt würden.
Vor zweit Tagen das Schulhaus beziehen können, bis auf vier Kisten alles ausgepackt und wieder eingeräumt. Nachher-Fotos und Kamera vergessen. Gestern Weiterbildung in Sachen Führungsverständnis inkl. Test mit 147 Fragen. Gemäss Resultat (Transaktionsanalyse) geringer Anteil Kindheits-Ichs (humorlos, unspontan). Heute Schulkonferenz: Viele gute Gespräche, wenig Bewegung. Viel gelacht.
Grosse Freude an den Reinigungsfrauen im Schulhaus. Haben ohne Anweisung Anweisung gegeben, wie mein Büro einzurichten sei; perfekt. Erstmals realisiert, wie sehr sie meine Bilder von Jörg Müller schätzen. Hatte „Vorsicht! Originale!“ drauf geschrieben und ein schlechtes Gewissen gehabt, weil sie ja immer Sorge tragen zu meinen Sachen.
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