Die Buchpreisbindung ist gefällt

(Die Berufshistorie zwingt mich zum Bloggen.)

Noch ein letztes Mal das kleine Flehen eines alten Autors lesen, ein Tränchen verdrücken und dann - endlich! - billigere Bücher.

Nun muss der Hugo Loetscher den Hugo Boss ausziehen und auch aus seiner Villa an der Goldküste, den Gürtel enger schnallen halt. Nun müsst ihr die Ferraris verkaufen, liebe Kollginnen, die Bali-Ferien annullieren liebe Kollegen und das Diamantenarmband für die Geliebte gegen ein indianische Glücksbändeli eintauschen auf dem Märit, liebe Verleger. Jetzt weht ein anderes Lüftlein.

“Hunkeler und Harry Potter jetzt 30% günstiger!”, heisst es in einer Medienmitteilung, die um 14.22 Uhr über den Ticker der Nachrichtenagentur sda lief. “Bei je zehn Schweizer Top-Bestseller aus den Bereichen Belletristik und Sachbuch wurde kurzfristig der Preis um 30 Prozent gesenkt, weitere sollen folgen”, heisst es weiter.

[Quelle.]

7 Reaktionen zu “Die Buchpreisbindung ist gefällt”

  1. mie

    Das verlustige Diamantenarmband schmerzt wenig, auch auf das Cüpli nach Ladenschluss verzicht’ ich doch gern - was wirklich weh tut und wogegen nicht mal der Zynismus so richtig ankommen will, ist der Verlust einer Welt, die mir lieb war. Der Verlust dieser so kostengünstigen Garantie für die Diversität der Buchproduktion mit all ihren Erstlingswerken und Übersetzungen und Kleinstauflagen, all das Absurde und Wunderschöne und So-schön-dass-es-wehtut-Traurige und Widerständige - ich hoffe, es auch künftig zu finden. Ich hoffe, es mir leisten zu können. Ich hoffe, Leser/innen dafür begeistern zu können, auch wenn die Cover greller und die Autorenfotos grösser sind. Noch ist zu hoffen.

  2. Tanja

    Ja, das ist wahr und auch mein Leiden dabei.

    Mein Zynismus richtet sich gegen Doris Leuthard und die Presseerklärung des Bundesrates. Denn wer sagt, ohne Preisbindung würden die Bücher billiger, ohne dass der Konsument, der Autor, die Diversität oder der Steuerzahler (Subventionsbedarf) darunter leiden, sagt, dass die Buchbranche bis jetzt ihre Kundschaft abgezockt hat.

    (Zynismus ist mein Rezept, wenn ich nicht mehr bereit bin, etwas tausendfach Erklärtes zu wiederholen, aber auch nicht bereit, mir gröbste Unwahrheiten unterstellen zu lassen.)

  3. Tisha

    Ich versteh ja nicht so viel von Politik, aber Frau Bundesrätin Leuthards Meinung zur Buchpreisbindung kann ich gar nicht nachvollziehen. Als ich heute den Artikel las, dachte ich so an dich Schwesterherz und daran, wie du all ihren Worten sachlich argumentiert kontern könntest; zehn Minuten und sie wäre Dein.

  4. Tanja

    Eben, das ist weil du nicht so viel von Politik verstehst, dass du das glaubst ;-) Keine Chance für Argumente. (Frau Leuthard hat einfach die schlechteste aller Sprachregelungen vorgesetzt bekommen, sie runtergerattert und fertig. Die Entscheidung selber ist ihr leicht gefallen, wie man sie begründet, war ihr völlig wurscht. Aber einfach so hinnehmen will ich es auch nicht, ich bin schliesslich ein Teil der Buchhandelslobby.)

  5. Tanja

    Die Folgerungen sind richtig, die Schuldzuweisung gewohnt. Ein wichtiges Kapitel: Was geschieht mit dem “Freihandel”? Ich teile die Prognose.

  6. Steffan

    Die Buchpreisbindung sollte auf keinen Fall wieder aufgenommen werden weil:
    - damit lediglich ein Berufsstands geschützt wird der in der heutigen Zeit nicht mehr die gleiche Daseinsberechtigung hat wie früher da es nun das Internet gibt. Wieviel Prozent der Leute die ein Buch kaufen wollen Beratung durch den Buchhändler? 0.5% ev? Und selbst da muss man sagen dass das Internet beinahe immer die bessere Informationsquelle ist. Das gilt auch für Fachbuchhandlungen: die lieben Buchhändler haben eigentlich nie eine fundierte Ahnung der entsprechenden Gebiete, sie können in aller Regel also lediglich sagen wo in ihrem Geschäft die Bücher zu einem bestimmten Thema stehen..
    Das Argument des Kulturschutzes ein Scheinargument ist: Selbst wenn Bücher die sich nur an ein kleines Publikum wenden gefährdet wären, macht es keinen Sinn dies über den Buchhandel zu regulieren. Wenn schon -und auch da bin ich strikt dagegen- müsste das da geschehen wo die Preisunterschiede entstehen: bei der Produktion.
    Ich sehe auch keinen Grund wieso ich für ein Buch mehr zahlen soll als notwendig, ich bin weder reich noch das Sozialamt.
    Für alle die es auch so sehen habe ich hier die meiner Meinung nach drei günstigsten (in entsprechender Reihenfolge) Buchhändler in der Schweiz rausgesucht:
    www.unibooks.ch
    www.exlibris.ch
    www.thalia.ch

  7. Tanja

    Steffan, wenn es um irgend etwas in diesem Blog wirklich nicht geht, dann ist es um besonders kostengünstige Buchangebote. Sorry.