Refusé I

Ein Polymechaniker in berufsbegleitender Ausbildung fragte mich, ob ich einen Fragebogen zum Asyl- und Ausländergesetz ausfüllen würde. Er ist türkischer Kurde und vor ungefähr zehn Jahren aus Rumänien in die Schweiz geflüchtet. Sechs Jahre wartete er auf den Bescheid, machte Rekurs und wurde beinahe verrückt. Sein Provisorium hier konnte er erst beenden, als er seine schweizer Freundin heiratete. Doch trotz dieser angenehmen Wende beharrten er und seine Frau (zum Leidwesen der Ämter) darauf, dass sein Asylantrag weiter bearbeitet wurde und sie bekamen schliesslich Recht. Der Grund für die Beharrlichkeit war ein prinzipieller, denn Folteropfer bekommen in der Schweiz Asyl. Dazu kam auch noch ein persönlicher Grund: Es belastet eine Beziehung ungemein, wenn der eine auf Gedeih und Verderb vom Wohlwollen des anderen abhängig ist, weil er nur dank der Ehe ein Aufenthaltsrecht hat.

Heute ist der Mann eingebürgert, hat ein Kind, alle seine Zwischenprüfungen sehr gut bestanden und nur noch ein Jahr zum eidgenössischen Fähigkeitszeugnis als Polymechaniker, seinem Traumberuf.

Es hätte auch anders kommen können. Und weil er sich das bewusst ist, gehört er zu den aktivsten Abstimmungskämpfern, die ich kenne, nicht nur in Migrationsfragen. Über die Abstimmung zur Revision des Asyl- und Ausländergesetzes (die es nur gibt, weil Leute wie er Unterschriften für das Referendum gesammelt haben) schreibt er in der Berufsschule eine Facharbeit. Ein Bestandteil davon ist auch eine Umfrage. Ich finde sie interessant, weil er ganz anders fragt, als ich das würde und mir die Antworten gar nicht leicht fielen. Hier nun das PDF des von mir ausgefüllten Fragebogens.

Während der ganzen unseligen Debatte über die Abstimmung, für welche jeder Minarett-Antrag und jede Geschwindigkeitsübertretung eines Zugewanderten hochgeköchelt wird, fällt mir nur immer wieder Zaimoglu ein, der (sinngemäss) sagt: Integration ist eine Zumutung. Für beide Seiten.

2 Reaktionen zu “Refusé I”

  1. Wühler

    Ich finde durchaus, dass die Unterscheidung zwischen EU- und Nicht-EU-AusländerInnen Diskriminierung ist. Stichwort “Festung Europa”. Hinzu kommt, dass das neue AusländerInnen “sogar” (horribile dictu) dazu führt, dass SchweizerInnen mit ausländischen PartnerInnen gegenüber EU-AusländerInnen diskriminiert werden.

  2. Tanja

    Diskriminierung heisst für mich bei gleichen Voraussetzungen unterschiedlich behandelt werden. Die Personenfreizügigikeitsabkommen der Schweiz mit der EU bedeuten aber eben nicht die gleichen Voraussetzungen. Was die Partnerschaften / Ehen angeht, weiss ich zu wenig Bescheid.

    Was ich will, ist Integration und forcierte Einbürgerung derer, die hier geboren worden sind. Auch für die Einwanderer/innen aus der EU. Denn ich bin überzeugt, dass unsere direkte Demokratie sonst längerfristig nicht überlebensfähig ist, weil sie nicht mehr die Entscheide hervorbringt, nach denen die Menschen leben können. Das hier bestätigt und freut mich.

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