ISBN-13

Weil das wirklich den einen oder andern zu interessieren scheint, schreibe ich gern noch etwas mehr zur neuen dreizehnstelligen ISBN.

Ab 1. Januar 2007 wird die Institution zehnstellige ISBN abgelöst von der ISBN-13, auch bisherige Nummern werden in Dreizehnstellige umgewandelt. Das bringt für die Buchhändlerlin einen Ablösungsprozess mit sich.

Die zehnstellige ISBN ist ein Stück meines Berufslebens. Ich lese daraus, in welchem Sprachraum ein Buch erscheint, ich sehe darin, ob ein grosser oder ein kleiner Verlag es gemacht hat, bei kleinem Verlagsprogramm die Anzahl der Verlagsprodukte, oft erkenne ich das Verlagshaus, weil ich viele Verlagsnummern auswendig kann. Ich könnte sogar von Hand ausrechnen, ob dier ISBN stimmt oder sich der Kunde eventuell verschrieben hat. Kurz: Diese Nummer zeigt mir das Buch. [Dossier dazu.]

Dazu ist die ISBN als Erfindung etwas, worauf wir uns im Buchhandel etwas einbilden können. Seit den Siebzigern sind so viele neue Verlage dazu gekommen (in den Neunzigern sind die ganzen Ostverlage und viele Afrikaner dazu gestossen), dass wir mit Fug und Recht behaupten konnten, so gut wie jedes Buch der Welt sei zweifelsfrei identifizierbar.

Heute ist dank elektronischen Datenbanken das Lesen aus der ISBN im Buchhandelsalltag unwichtig geworden und die zehnstellige ISBN ist auch erschöpft. Aus dem Bedürfnis nach Scannertauglicheit ist schon länger ein EAN (Strichcode + Nummer) mit dem „Buch“-Präfix „978“ entstanden, der die ISBN-10 integrierte. Und ab dem nächsten Jahr bekommen die Verlage von der ISBN-Agentur neue Nummernkontingente mit dem Präfix „979“, eben die sogenannte ISBN-13.

Kleiner Einschub: Viele ahnen gar nicht, wie einfallsreich das Festland-Europa in Sachen Normierung immer gewesen ist. DIN? Die Deutsche Industrienorm war ein Grundstein bei ISO und ist eine Offenbarung fürs Büro. Ohne A4 keine Schweizer Bundesordner, ein Exportartikel für die ganze Welt. EAN? Die Amerikaner haben die Europäische Artikelnummer definitiv übernommen, weil die Kombination Strichcode und Zahl unschlagbar ist. Und unsere Mütter waren die ersten, die an den Grenzen nicht mehr umsteigen mussten, weil der Abstand der Eisenbahnschienen normiert war.

Die ISBN-13 wird für mich nicht mehr lesbar sein, denn diese Nummer wird keinen Hinweis auf Länder oder Verlage mehr enthalten. Doch ich will nicht weinen, dass es vorbei ist, sondern stolz sein, dass es gewesen. Es war ein wichtiges Kapitel in der Biografie des Buches und ein Teil von meiner.

6 Reaktionen zu “ISBN-13”

  1. Silvia Mauerhofer

    Doch, ich finde, ein bisschen weinen ist angesagt. Ich lese jeden Tag aus der ISBN und finde es einfach gäbig, schon ein paar Sachen zu sehen, bevor die Nummer in den Kompi eingetippt ist. Die Nummer an sich gibt ja schon Hinweise, in welchen Katalogen es sinnvoll ist, zu suchen.
    Aber wir sind ja flexibel und offen für neues und werden uns wohl rasch an die neue Nummer gewöhnen.

  2. Tanja

    Da, Silvia, hast du auch wieder Recht. Wir sind gleichermassen sentimental wie flexibel.

  3. filomenal

    Aber aus der neuen ISBN-13 kann man doch genau so lesen, wenn man sich das 978 resp. 979 wegdenkt? Oder habe ich was grundlegendes noch nicht kapiert….

  4. Tanja

    Mein neuster Stand ist: Bei Präfix 978 ja (denn das sind ja einfach die zehnstelligen Nummern neu dreizehnstellig verbaut), bei Präfix 979 nicht mehr. Denn das sind die neuen Nummern, deren Kontingente Landes- und Verlags unabhängig vergeben werden.

    Zusammen mit dem Strichcode schlicht und einfach als EAN zu verwenden und der benennt lediglich das Produkt. 979 = Buch, basta.

  5. rollblau

    Wenn ich das richtig gelesen habe, bekommen Verlage beim Präfix 979 eigene - allerdings abweichende -Verlagskennziffern, die jedoch konstant und erkennbar bleiben. Über die Sprachraumidentifizierung hab ich noch nix gefunden, ich vermute aber, auch da gibt es eine konstante Sprachraumkennziffer. Anders macht der ganze Zahlensalat eigentlich auch keinen Sinn. LG rollblau

  6. Tanja

    Lieber rollblau, eine Nummer, die ein Buch/ein Produkt zweifelsfrei indentifiziert ist per se sinnvoll. Nein, die Sprachraumidentifizierung allein durch Nummer wird es nicht mehr geben, die Verlagskennziffer wird - sofern es sie überhaupt einmal gibt - auch nicht ewig überleben. Aber es ist einfach auch nicht mehr nötig, weil:

    Ich erwarte im E-Zeitalter, dass die ISBN-Agentur sehr rasch und online ein zentrales Register der verteilten Nummern zur Verfügung stellt.

    Dann brauchen wir nicht mehr aus ihnen zu lesen, sondern können sie einfach abfragen. Komplett oder in Teilen. Das ist doch auch gut.

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