Exquisite pain

Sophie Calle, Exquisite pain

Calle, Sophie
Exquisite pain
Thames & Hudson 2004
Originaltitel: Douleur exquise

Dieses Buch ist ein Gesamtkunstwerk. Es verbindet Inhalt und Ausstattung zu einem zeitgenössisches Faksimile. Die autobiografische Geschichte ist schlicht. Sophie, verliebt in den viel älteren Freund ihres Vaters, bekommt auf eigenen Wunsch ein Stipendium für drei Monate Tokyo. Weil sie Tokyo gewählt hat, ohne den Ort auch im Geringsten interessant zu finden, verkürzt sie ihren Aufenthalt, indem sie die Reise verlängert. Sie dokumentiert, angefangen am Gare du Nord, jeden Tag ihrer Bildungsreise akribisch in Worten, Briefen, Quittungen, Zetteln und Fotos.

Fünfzehn Jahre später macht sie damit dieses Buch, zwei Drittel davon sind Vorspann auf ihr unglücklichstes Erlebnis. Sie beginnt mit „92 DAYS TO UNHAPPINESS“ und zählt Seite für Seite rückwärts bis zum Tage null. Jeder Tag ist wunderschön beschrieben, allein mit dem Material, das sie in Asien gesammelt hat. Am Tage null trifft sie nicht wie vereinbart ihren Liebhaber in Delhi, sondern bekommt eine Nachricht, sie solle in Frankreich anrufen. Als sie endlich zu ihm durchdringt, verlässt er sie. Und in diesem Moment schrumpfen alle die Erlebnisse und Erfahrungen zusammen auf dieses Ende.

Da beginnt das letzte Drittel des Buches „After Unhappiness“. Sophie schreibt 94 Varianten des Telefongesprächs, das sie am 25. Januar 1985 im Imperial Hotel in New Delhi von einem roten Wählscheibenapparat aus geführt hat. Dies immer auf der linken einer Doppelseite. Auf der rechten Seite erzählen Sophies Freunde vom Moment in ihrem eigenen Leben, an dem sie am meisten gelitten haben. Diese kurzen Erklärungen sind einmalig, sie ergänzen Sophies Liebeskummer, sie relativieren ihn, sie erzählen ihn neu. Dieses Buch hat Geschichte in sich, persönlich, künstlerisch, literarisch.

3 Reaktionen zu “Exquisite pain”

  1. Liisa

    Klingt ja sehr interessant … auf deutsch gibt es das aber wohl noch nicht, oder?

  2. Tanja

    Nein, nur Englisch und Französisch (bis jetzt).

  3. Tanja

    Noch was, Liisa: Da das Buch nicht viel Text hat, ist es überhaupt kein Problem, es in Englisch zu lesen, schon gar nicht für dich!

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